Eine Investigativ-Recherche des SRF hat sich mit «Geschlechtsanpassungen» befasst, die an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (KJPP) der Psychiatrischen Universitätsklinik (PUK) in Zürich durchgeführt wurden. Zu Wort kamen dabei auch Familien mit «Transkindern». Eine Gruppe von Eltern verlangte in einem Brief an die Gesundheitsdirektion in Zürich eine externe Untersuchung. In der Sendung nahm auch Dagmar Pauli Stellung, die Leiterin des KJPP.
Michèle Binswanger schreibt dazu im «Tages-Anzeiger»:
«Die Eltern kritisieren, dass die Diagnose Geschlechtsdysphorie vorschnell gestellt werde und die Jugendlichen nicht sorgfältig auf andere psychische Probleme abgeklärt würden. Auch die soziale Transition, also der Wechsel des sozialen Geschlechts, würde nicht nur empfohlen, sondern auch gleich umgesetzt. Zum Teil auch, ohne dass die Eltern einbezogen würden. Zudem werde damit, dass auf ein hohes Suizidrisiko hingewiesen würde, auch Druck auf die Eltern ausgeübt.»
Auf den Vorwurf, es würde mit dem Hinweis auf eine Suizidgefahr der Kinder Druck gemacht, weist Dagmar Pauli darauf hin, dass 70 Prozent der trans Jugendlichen suizidal seien: «Das ist wirklich schlimm, und das ist viel. Und wenn das in einem Fall so ist, dann können wir es ja den Eltern nicht vorenthalten.»
Dagmar Pauli mit fragwürdigen Aussagen zur Suizidalität
Auch wenn die Angaben von Dagmar Pauli stimmen sollten, dass 70 Prozent der trans Jugendlichen suizidal seien, bewegt sich die Chefärztin des KJPP damit auf sehr fragwürdigem Terrain. Mit dieser Prozentzahl lässt sich nämlich kein Druck rechtfertigen für eine schnelle «Geschlechtsanpassung». Mit der Studienlage lässt sich nämlich nicht belegen, dass «Geschlechtsanpassungen» eine allfällige Suizidalität bessern. Das bestätigt auch eine US-Studie. Die Übersichtsarbeit bewertet 23 Studien zu diesem Thema und kritisiert die Qualität der Studien massiv. Für eine Empfehlung von Therapien zur Geschlechtsumwandlung fehlen nach wie vor die wissenschaftlichen Belege. Das «Institut für Medizinische Anthropologie und Bioethik» fasst zusammen:
«„Wollen Sie lieber einen lebenden Sohn oder eine tote Tochter?“ Verzweifelten Eltern wird häufig nahegelegt, eine Transition ihres Kindes zuzustimmen mit der Begründung, dass sonst ein hohes Suizidrisiko bestünde. Ein US-Review von 23 Studien zeigt nun auf, dass es keine Belege dafür gibt, wonach Suizidalität durch Gender-affirmative Therapien tatsächlich reduziert wird.»
Dagmar Pauli weist die Kritik der Eltern weitgehend zurück. Sie will den von SRF geschilderten Fällen aber nachgehen.
Quellen:
Trans Jugendliche – Eltern kritisieren Zürcher Psychiatrieklinik (SRF)
Geschlechtsanpassung bei Jugendlichen: Zürcher Klinik wegen Trans-Behandlungen in der Kritik (Tages-Anzeiger)
US-Studie: Transgender-Behandlung kann Suizidrisiko nicht verringern (IMABE)
Anmerkungen:
☛ Schön, dass KJPP-Chefärztin Dagmar Pauli den Fällen nachgehen will. Es braucht jedoch eine unabhängige Untersuchung. Dagmar Pauli ist nicht neutral genug und zu stark transaktivistisch unterwegs. Untersucht werden müsste gleichermassen auch die Abteilung «Innovations-Focus Geschlechtervarianz» am Universitätsspital Basel unter der Leitung von David Garcia Nuñez. Sowohl das Universitätsspital Basel als auch die KJPP der PUK Zürich bewegen sich im Bereich der «Geschlechtsanpassungen» auf einem fragwürdigen Boden, weil die Sicherheit und Wirksamkeit der Behandlungen wissenschaftlich nicht belegt ist. Für universitäre Einrichtungen ist das unakzeptabel.
Siehe dazu auch:
Medizin auf Abwegen: Geschlechtsanpassung bei Minderjährigen
Wochenzeitung (WoZ): Bericht zur Transgender-Medizin mit krasser Schlagseite
Dossier Geschlechtsdysphorie im Jugendalter (Europäische Gesellschaft für Geschlechtergerechtigkeit Österreich, EGGÖ)
Schlussbericht zum Tavistock-Skandal belegt, dass Pubertätsblocker und Hormone zur „Geschlechtsanpassung“ keine wissenschaftliche Basis haben:
☛ Die Transgender-Medizin ist stark geprägt von Vorstellungen aus der Identitätspolitik, die ihrerseits antidemokratische, wissenschaftsfeindliche und pseudoreligiöse Züge zeigt. Siehe dazu:
Identitätspolitik unterminiert Demokratie und Rechtsstaat
Identitätspolitik und Postfaktualismus greifen Basis der Wissenschaft an
Was Identitätspolitik mit Religion verbindet