Der Soziologe Aladin El-Mafaalani hat mit «Misstrauensgemeinschaften» ein Buch veröffentlicht, das sehr erhellend beiträgt zum Verständnis gegenwärtiger Krisen von Gesellschaft und Demokratie. Das Buch ist zudem gut lesbar und praktisch frei von soziologischem Jargon – was für einen Autor aus diesem akademischen Biotop alles andere als selbstverständlich ist. Allein schon dafür verdient Aladin El-Mafaalani Anerkennung.
Der Verlag schreibt zum Buch von Aladin El-Mafaalani:
«Eine neue Erklärung für das Erstarken von Populismus und Verschwörungsideologien.
Wer verstehen möchte, warum Vertrauen immer wichtiger, aber Misstrauen immer wahrscheinlicher wird und welche Folgen umfassende Vertrauenskrisen für die Gesellschaft haben, muss dieses Buch lesen.
In einer zunehmend komplexer werdenden Gesellschaft muss man vertrauen. Ohne Vertrauen in gesellschaftliche Systeme und Institutionen wird man handlungsunfähig. Um als Misstrauender nicht handlungsunfähig zu werden, gibt es eine plausible Alternative: Man vertraut denen, die ebenfalls misstrauen. Und zwar nicht aufgrund ihrer Kompetenz oder Erfahrung, sondern einzig und allein aufgrund des gemeinsamen Misstrauens. Es entstehen Misstrauensgemeinschaften – eine Gefahr für die gesellschaftliche Stabilität.»
Zitat aus dem Buch von Aladin El-Mafaalani
Aladin El-Mafaalani schreibt im Vorwort:
«Es geht im folgenden Text nicht vordergründig um das Misstrauen zwischen Menschen, sondern vielmehr um das Misstrauen in ganze Teilbereiche, u. a. Wissenschaft und Medien. Dieses führt zu Legitimationsproblemen der zentralen Expertensysteme für Information und Wissen, die hochproblematisch sind, und sie geben – wie noch gezeigt werden wird – in beide Richtungen: Misstrauen verstärkt die Anziehungskraft für Populismus und Verschwörungsideologien, die wiederum das Misstrauen verstärken.….
Mit der Unterscheidung zwischen Vertrauen und Misstrauen werden der Strukturwandel der Gesellschaft und die Herausforderungen der Gegenwart beschrieben. Es handelt sich um eine soziologische Perspektive, bei der sozioökonomische Ungleichheiten nicht im Vordergrund stehen. Die emotionale Dimension von Misstrauen wird nicht vollends ausgeblendet, aber auch nicht fokussiert. Die Möglichkeit, dass individuelles Versagen ursächlich für Misstrauen sein kann, wird nicht verneint, aber auch nicht als wesentliche Erklärung angesehen. Vielmehr geht es um strukturelle Veränderungen, Krisenerscheinungen usw. Die liberale Demokratie steht zur Disposition – das ist keine neue Erkenntnis. Aber der gewählte Zugang kann neue Perspektiven aufzeigen.» (Seite 8/9)
Quelle:
«Misstrauensgemeinschaften», von Aladin El-Mafaalani, Kiepenheuer & Witsch Verlag 2025
Zum Autor Aladin El-Mafaalani:
Aladin El-Mafaalani lehrt und forscht als Professor für Migrations- und Bildungssoziologie an der TU Dortmund. Davor war er unter anderem tätig als Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Osnabrück, Professor für Politikwissenschaft an der Fachhochschule Münster und Abteilungsleiter im nordrhein-westfälischen Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration in Düsseldorf.
Fazit:
Das Buch ist informativ, kompakt und griffig geschrieben, ohne Ausschweifungen und daher in überschaubarer Zeit lesbar.
Siehe auch:
Misstrauen – seine Bedeutung und Wirkung für die Demokratie
Misstrauen, toxisches – als Bestandteil von Verschwörungstheorien
YouTube-Gespräch mit El-Mafaalani zum Thema:
Weiterdenken mit Aladin El-Mafaalani – taz FUTURZWEI-Talk: