Krieg, Zölle, Krypto – Trumps familiäres Umfeld, seine Mitarbeiter und Supporter bereichern sich schamlos dank Insiderinformationen. Und die Börsenaufsicht SEC lässt alle in Ruhe, die dem US-Präsidenten im Wahlkampf gespendet haben. Überraschend ist das nicht, den der neue SEC-Chef, Paul Atkins, ist ein glühender Trump-Anhänger.
Wer Zugang zu Trump hat, kann mit Insiderinformationen rechnen, die sich in Gewinne umsetzen lassen. Die Beispiele dafür sind zahlreich und sie werden zum Teil sogar offen zelebriert.
So soll beispielsweise der Kundenberater von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bei der US-Bank Morgan Stanley gemäss Informationen der «Financial Times» versucht haben, mehrere Millionen Dollar in einen Indexfonds von Blackrock zu investieren, der in Aktien von Rüstungskonzernen wie RTX, Lockheed Martin oder Northrop Grumman anlegt. Diese Firmen bauen die Flugzeuge und Raketen, die die US-Streitkräfte in Iran verschiessen.
Der Deal kam allerdings nicht zustande, weil der Fonds für Kunden von Morgan Stanley nicht verfügbar war.
Das Muster ist jedoch klassisch: Sobald Donald Trump etwas verkündet, was die Börsen bewegt, kommt es im Vorfeld häufig zu Transaktionen, die auf Insiderinformationen beruhen, die nur Trump und sein unmittelbares Umfeld haben können.
Insiderinformationen als Geschäftsmodell
Eflamm Mordrelle schreibt in der NZZ zu den Insiderinformationen in Trumps Umfeld:
«Die ganz grosse Party mit Insiderinformationen begann vor einem Jahr mit dem so genannten «Liberation Day» am 2. April 2025. Damals verkündete Trump der Welt seine «Strafzölle», was die Börsen sodann zum Absturz brachte. Gemäss dem US-Portal Pro Publica verkauften über ein Dutzend Bundesbeamte in der Woche vor der Ankündigung Aktien. Auch Kongressabgeordnete und ihre Gehilfen haben auffällig häufig an der Börse gehandelt.
Auffällige Transaktionen gab es auch im innersten Machtzirkel. So hat Pam Bondi, Trumps frisch entlassene Generalstaatsanwältin, am Tag der Zoll-Ankündigung Aktien von Trump Media in Höhe von 1 bis 5 Millionen Dollar verkauft. Trump Media ist die Betreiberin der Social-Media-Plattform Truth Social, des bevorzugten Nachrichtendienstes des US-Präsidenten. Bondis Timing war perfekt, in den Tagen nach dem «Liberation Day» sackten die Trump-Aktien 13 Prozent ab. Bondi vermied empfindliche Verluste.»
Trump wisse, dass sich seine Entourage dank seinen Informationen bereichert, schreibt Eflamm Mordrelle:
«Kurz nach Ankündigung der Zollpause empfing der US-Präsident zwei langjährige Freunde und Unterstützer im Weissen Haus, den Banker Charles Schwab und den Sportunternehmer Roger Penske. Vor den Kameras prahlte der Präsident und zeigte zuerst auf Schwab und dann Penske: “Er hat heute 2,5 Milliarden Dollar verdient und er 900 Millionen! Das ist nicht schlecht.”»
Trumps Familie nutzt Insiderinformationen ohne Skrupel und hat sich Krypto als lukrative Spielwiese zurechtgelegt.
Die hohe Kadenz, mit der Trump im Iran-Krieg neue Absichten kundtut, sei ein Traum für Insider, schreibt Eflamm Mordrelle. Als der US-Präsident am 23. März auf Truth Social verkündete, dass er Luftangriffe auf iranische Kraftwerke aufgrund «produktiver Gespräche» verschieben werde, kam es 15 Minuten zuvor auf dem Öl-Terminmarkt zu einem Ansturm. Gemäss Marktdaten von Dow Jones wurden zwischen 6.49 Uhr und 6.51 Uhr US-Ostküstenzeit Futures im Wert von über 760 Millionen US-Dollar gehandelt.
Dass solche Vorgänge durch zuständige Stellen in der Trump-Administration aufgeklärt werden, ist nicht zu erwarten. Bereicherung scheint ein Hauptziel aller Beteiligten.
Quelle:
Krieg, Zölle, Krypto: Wie sich Trumps Entourage dank Insiderinformationen bereichert (NZZ)
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Anmerkung:
Die exzessive Nutzung von Insiderinformationen zur Bereicherung passt dazu, dass Donald Trump die USA in einem atemberaubenden Tempo zur reinen Plutokratie umbaut. Ob dieser Prozess noch zu stoppen ist, bleibt eine offene Frage. Dass Trumps Anhänger in den USA und in Europa diesen grossangelegten Missbrauch hinnehmen, ist sehr bedenklich und weist auf einen Zerfall demokratischer Werte hin.
Siehe dazu:
Plutokratie als Totengräber der Demokratie
Nepotismus / Vetternwirtschaft: Nutzen privat – Schaden dem Staat