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«Warum Russland nicht aufhören wird», von Martin Schulze Wessel (Buchtipp)

19. Oktober 2026

Martin Schulze Wessel ist Professor für die Geschichte Ost- und Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians- Universität München und ein fundierter Kenner der russischen Geschichte. Auf diesem professionellen Hintergrund beschreibt er gut nachvollziehbar, weshalb es beim russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht allein um die Ukraine geht – und warum dieser Krieg für die Sicherheit aller Bewohnerinnen und Bewohner Europas von grosser Bedeutung ist. Wenn Kreml-nahe Parteien oder Einzelfiguren behaupten, das sei nicht ihr Krieg, dann ist dieses Buch darauf eine starke Antwort.

Der Verlag schreibt zum Buch von Martin Schulze Wessel:

«Der bekannte Osteuropa-Experte Martin Schulze Wessel erklärt anhand von sieben historischen Thesen, warum Russland für seinen Eroberungskrieg in der Ukraine so hohe Verluste in Kauf nimmt und seine Expansionspolitik auch über einen etwaigen Waffenstillstand hinaus betreiben wird. Denn der Angriff erfolgte nicht aufgrund verletzter Sicherheitsinteressen, sondern vor dem Hintergrund von Russlands imperialem Komplex, der sich tief in Staat und Gesellschaft eingegraben hat. Wer darauf spekuliert, dass wir nach dem Ende der Kampfhandlungen in der Ukraine wieder in die Welt vor dem Kriegsausbruch zurückkehren und unsere Rüstungsanstrengungen zurückfahren können, befindet sich daher auf dem Holzweg.

Seit Putin die Invasion in die Ukraine befahl, sind mehr als vier Jahre vergangen. Der Krieg dauert schon jetzt länger als der gesamte Erste Weltkrieg. Die russischen Verluste sind hoch, die wirtschaftlichen Kosten ebenfalls. Jederzeit hätte Wladimir Putin den Krieg beenden können. Warum hat er das nicht getan? Warum kämpft Russland immer weiter? Und wie realistisch ist der Glaube daran, dass Russland Frieden halten würde, sollte es zu einem Waffenstillstand kommen? Martin Schulze Wessel analysiert die Geschichte des russischen Imperiums, erklärt, warum Russlands Expansionspolitik sich aus einer imperialen Geschichte speist und zeigt, welche Mittel in der Vergangenheit gegen den russischen Imperialismus geholfen haben. Bislang wird die Debatte um Europas Sicherheit vor allem von Politikwissenschaftlerinnen und Militärexperten dominiert. Dieses Buch bietet die Perspektive der Geschichtswissenschaft, ohne die sich die Motivlage Russlands nicht verstehen lässt.»

Die sieben Thesen von Martin Schulze Wessel

These 1

Russland ist durch Annexionen groß geworden.

These 2

Annexionen kamen dort zum Stillstand, wo Russland

auf ebenbürtige Mächte traf.

These 3

Die russische Expansion erhielt immer dann einen

Schub, wenn sie durch Kooperationen mit anderen

Mächten begünstigt wurde.

These 4

Russland und die Sowjetunion konnten Krisen des

Territorialstaats immer wieder überwinden.

These 5

Russlands imperiale Politik zielt nicht nur auf

Annexionen, sondern auch auf Hegemonie.

These 6

In Russland hat sich seit dem 18. Jahrhundert ein

imperialer Komplex herausgebildet, der Politik und

Kultur entscheidend prägt.

These 7

Religiöse Heilserwartungen und der Wille zu einer

neuen Weltordnung speisen Russlands Politik.

 

Martin Schulze Wessel bietet mit diesen historischen Einblicken einen «Werkzeugkasten», mit dem sich das aktuelle Geschehen besser einordnen lässt. So ist es zum Beispiel wichtig für die Europäerinnen und Europäer zu verstehen, dass Russlands imperiale Politik nicht nur auf Annexionen zielt, sondern ebenso auf Hegemonie. Europäische Länder können abhängig werden von Russland, ohne das bei uns russische Panzer vorstossen.

Auch die religiösen Heilserwartungen, die mit der imperialen russischen Politik verbunden sind, sollten mehr Beachtung finden.

Das Buch von Martin Schulze Wessel ist sehr lesenswert und erhellend.

Quelle:

«Warum Russland nicht aufhören wird», von Martin Schulze Wessel, C. H. Beck Verlag 2026.

Kategorie: Buchtipps, Russland Stichworte: Europa, Gesellschaft, Imperialismus, Kreml, Martin Schulze Wessel, Osteuropa, Politik, Putin, russischer Imperialismus, Russland, Sowjetunion, Ukraine, Ukrainer, Waffenstillstand, Wladimir Putin

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