Der 58-jährige Brite Keir Giles gilt als einer der weltbesten Kenner des russischen Militärs. In einem Interview mit dem Tages-Anzeiger spricht er über den Ukraine-Krieg und die Folgen, die ein Waffenstillstand für Europa haben könnte:
«Kommt es in der Ukraine zum Waffenstillstand, wird es für Europa besonders gefährlich»
Warum das so ist, begründet der Russlandexperte so:
«Dann werden die russischen Landstreitkräfte in kurzer Zeit sehr viel stärker werden – einfach, weil sie von der Ukraine nicht mehr gebunden beziehungsweise dezimiert werden. Kommt hinzu, dass die Aufrüstung sehr ungleich erfolgt: Deutschland investiert enorm, Frankreich möchte gern, hat aber kein Geld, in Grossbritannien fehlt es an Wille und Geld. Aus Russlands Sicht wird es in Europa also bald «weiche Ziele» geben – Länder, die man womöglich isolieren und erpressen kann.»
Quelle:
Interview mit Russlandkenner:
«Kommt es in der Ukraine zum Waffenstillstand, wird es für Europa gefährlich» (Tages-Anzeiger)
Billige Forderungen nach Waffenstillstand
Von kremlnahen Parteien wie AfD, BSW, die Linke und FPÖ – aber auch von Einzelfiguren wie dem offenbar von Autokraten faszinierten Roger Köppel – kommt repetitiv die Forderung, es müsse nun einen Waffenstillstand in der Ukraine geben. Diese rhetorischen Manöver lassen allerdings zweierlei ausser Acht:
- Die Ukraine bietet schon seit längerem einen Waffenstillstand an. Russland lehnt einen Waffenstillstand ab. Unverständlich bleibt deshalb, weshalb diese Forderungen sich immer an den Westen beziehungsweise an die Ukraine richten.
- Diese billigen Forderungen nach einem Waffenstillstand erwecken gerne den Eindruck, nach dem eintreten eines solchen würde Frieden herrschen. Für einen stabilen Frieden wäre aber viel mehr nötig. In erster Linie natürlich das Einverständnis des Kreml-Regimes. Aber auch Sicherheitsgarantien für die Ukraine, Reparationszahlungen aus Russland, Wiederaufbauhilfe. Um diese Themen drücken sich die Rufer nach dem Waffenstillstand. Die Frage «Wie weiter?» scheint sie nicht zu interessieren.
Die Forderungen dieser Kreml-nahen Akteure nach einem Waffenstillstand sind in der Regel verknüpft mit der Forderung nach sofortiger Einstellung der Waffenhilfe. Damit spielen sie einem zentralen Interesse des Kreml-Regimes in die Hände – der Kollaps der Ukraine wäre die unmittelbare Folge. Auch diese Folgen scheinen die Kreml-nahen Akteure nicht zu interessieren.
Siehe dazu hier: