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Selektive Biologieleugnung im Kontext der Identitätspolitik

30. August 2026

Biologieleugnung kommt in verschiedenen Kreisen vor und geschieht aus unterschiedlichen Gründen. In der Regel wird nicht das gesamte Wissen der Biologie abgelehnt, sondern nur diejenigen Teile, die das eigene Weltbild in Frage stellen. Solch selektive Biologieleugnung gibt es schon länger als religiös verorteter Kreationismus. Rechtsextreme Strömungen leugnen Biologie vor allem im Kontext von unwissenschaftlichen Rassentheorien. Ein jüngeres und zu wenig beachtetes Phänomen ist die selektive Biologieleugnung im Umfeld einer sich als links ausgebender Identitätspolitik. Die wichtigsten Infos zu diesen unterschiedlichen Kontexten im Folgenden Schritt für Schritt.

► Das bekannteste Beispiel für Biologieleugnung ist die Kreationisten-Bewegung. Sie entstand Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA als Teil des protestantischen Fundamentalismus. Sie lehnt die Evolutionstheorie ab und vertritt stattdessen die Auffassung, dass das Universum, das Leben und der Mensch durch eine göttliche Schöpfung entstanden sind.

Kreationisten argumentieren häufig auch heute noch wörtlich mit religiösen Texten, insbesondere der Bibel, und diskreditieren naturwissenschaftliche Erklärungen wie die Evolutionstheorie.

Neben religiös motivierter Evolutionsleugnung gibt es auch nichtreligiöse, politisch-ideologisch motivierte Gruppen, die biologische Erkenntnisse – vor allem zur Evolution, zum Geschlecht oder zur menschlichen Biologie – ablehnen oder umdeuten.

► Rechtsextreme und rassistische Ideologien basieren oft auf Rassentheorien, die biologischen Erkenntnissen widersprechen.

Die nationalsozialistische Ideologie im Deutschland der 1930er–1940er Jahre leugnete die gemeinsame Abstammung aller Menschen und behauptete eine hierarchische „Rassenordnung“. Sie stützte sich auf pseudowissenschaftliche Theorien, um die Überlegenheit der „arischen Rasse“ zu „beweisen“ und die Entrechtung, Vertreibung und Ermordung von Juden, Sinti und Roma, Schwarzen Menschen und anderen Gruppen zu rechtfertigen. Diese Ideologie ist wissenschaftlich längst widerlegt, wird jedoch in rechtsextremen Kreisen teilweise weiterhin vertreten. Auch heute noch gibt es Gruppen, die rassistische Narrative mit vermeintlich „biologischen“ Argumenten untermauern, z. B. die Behauptung, dass es „höhere“ und „niedere“ Menschenrassen gebe. Sie lehnen die Einheitlichkeit der menschlichen Spezies ab und versuchen, evolutionäre oder genetische Erkenntnisse für ihre Ideologie zu instrumentalisieren. Diese Positionen sind wissenschaftlich nicht haltbar.

Viel weniger bekannt als der Kreationismus und die rechtsextreme Biologieleugnung im Kontext von Rassentheorien ist die Biologieleugnung im Lager einer sich selbst als links deklarierenden Identitätspolitik.

Biologieleugnung auf der Basis von Identitätspolitik braucht mehr kritische Aufmerksamkeit

Die selektive Biologieleugnung im Kontext der Identitätspolitik kann verschiedene Formen annehmen:

► In der identitätspolitischen Geschlechterdebatte („Es gibt mehr als zwei biologische Geschlechter“) behaupten insbesondere queere, transaktivistische sowie gewisse feministische Strömungen, dass das biologische Geschlecht (Sex) nicht binär sei, sondern ein Spektrum darstelle. In diesen Debatten wird oft die biologische Grundlage des Geschlechts komplett geleugnet oder als „sozial konstruiert“ dargestellt, und die genetischen und hormonellen Grundlagen negiert.

Hier die wissenschaftlichen Fakten zu diesem Thema:

Identitätspolitik liegt falsch: Die Biologie kennt zwei Geschlechter, nicht mehr

► Wissenschaftsfeindlichkeit in den „Social Justice“-Bewegungen: In einigen Strömungen der Identitätspolitik wird die Wissenschaft – insbesondere die Biologie – als „systemisch rassistisch“, „sexistisch“ oder „klassistisch“ dargestellt. Dies führt dazu, dass biologische Erkenntnisse (z. B. zu Geschlecht, Intelligenz oder Verhaltensunterschieden) pauschal abgelehnt werden, wenn sie nicht in das jeweilige Weltbild passen. Diese Haltung kann dazu führen, dass Forschungsresultate ignoriert, verzerrt oder diffamiert werden. Negiert oder heruntergespielt werden beispielsweise biologische bzw. evolutionäre Unterschiede zwischen den zwei Geschlechtern (Unterschiede im Verhalten, offensichtliche körperliche Vorteile von Männern, die sich als Frauen identifizieren und im Frauensport antreten).

Lesetipp:

Eine kritische Auseinandersetzung mit Social-Justice-Theorien bietet die Zeitschrift für Didaktik in Philosophie und Ethik im Heft „Social Justice“ (Heftvorstellung hier).

Fazit:

Die Biologieleugnung ist bei den meisten Strömungen, die sie betreiben, nicht komplett. Die meisten dieser Gruppen leugnen nicht die Biologie als solche, sondern bestimmte biologische Erkenntnisse, die nicht in ihr Weltbild passen.

Während religiöse Kreationisten die Evolutionstheorie komplett ablehnen, geht es bei identitätspolitischen oder rassistischen Gruppen oft um selektive Leugnung – etwa wenn genetische Unterschiede zwischen Populationen oder die binäre Natur des biologischen Geschlechts ignoriert oder umgedeutet werden.

Während der Kreationismus seit jeher im Fokus wissenschaftlicher Kritik steht, war die rassistische Leugnung biologischer Fakten in der Biologie selbst in gewissen Phasen etabliert und anerkannt – zum Beispiel im Nationalsozialismus.

Die identitätspolitische Biologieleugnung ist ein jüngeres Phänomen, hat sich aber in den Sozial- und Geisteswissenschaften in den letzten Jahren stark an Universitäten durchgesetzt. Ein typisches Beispiel zeigt sich, wenn eine Gender-Studies-Absolventin im Brustton der Überzeugung sagt, die Biologie gehe schon lange von mehr als zwei Geschlechtern aus. Geistes- und Sozialwissenschaften massen sich hier an, besser über den Stand des Wissens in der Biologie Bescheid zu wissen als die Biologie selbst. Das ist übergriffig.

Die Abwertung und Verleugnung der biologischen Aspekte der menschlichen Existenz verschafft diesen Studienrichtungen – die sich vor allem über Sprache und Denken definieren – mehr Bedeutung. Ihre Weltdeutungen werden umfassender, wenn ihnen keine materiellen Strukturen Grenzen setzen. Doch das ist eine Täuschung. Materialität, die Biologie des Menschen, lässt sich nicht aus der Welt «herausdenken». Die Widerständigkeit der Materie, der biologischen Welt, setzt dem Menschen Grenzen, an denen er sich selbst finden kann.

Die Wissenschaft – auch die Biologie – scheint sich schwer zu tun mit dieser Biologieleugnung, die aus der Wissenschaft selbst kommt. Die universitäre Biologie verhält sich gegenüber diesen Übergriffen ziemlich defätistisch und steck den Kopf in den Sand. Sie sollte klarer Stellung nehmen, wenn zum Beispiel ein fachlich korrekter Vortrag über die Zweigeschlechtlichkeit in der Biologie von Transaktivisten attackiert wird. Siehe dazu:

Identitätspolitik: «Transphobie» als billige Diffamierungsstrategie

Kategorie: Identitätspolitik Stichworte: Biologie, Biologieleugnung, Ethik, Evolution, Evolutionstheorie, Fakten, Fundamentalismus, Geisteswissenschaften, Gender Studies, Geschlechterdebatte, Identitätspolitik, Ideologien, Juden, Kreationismus, Kreationisten, Nationalsozialismus, Philosophie, Rassentheorien, rassistisch, Rechtsextreme, Roma, Rssistische Ideologien, sexistisch, Sinti, Social Justice, Sozialwissenschaften, Transaktivisten, Transphobie, USA, Wissenschaft, Wissenschaftsfeindlichkeit

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