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Social Justice, Zeitschrift für Didaktik der Philosophie und Ethik (Buchtipp)

10. August 2026

Die Ausgabe 1/2025 der Zeitschrift für Didaktik und Philosophie und Ethik (ZDPE) widmet sich kritisch Theorien, die oft unter dem Begriff «Social Justice» zusammengefasst werden, und die eng mit Identitätspolitik verbunden sind (zum Beispiel Critical Race Theory, Queer Theory, Teile der feministischen Theorie, Gender Studies, Postcolonial Studies, Disability Studies etc.). Diese Theorien kommen mit dem Anspruch daher, für die Rechte unterdrückter Minderheiten zu kämpfen. Diesen Anliegen kann kaum grundsätzlich widersprochen werden. Wer ist schon gegen «Social Justice» im Sinne von «Sozialer Gerechtigkeit». Dabei geht oft unter, dass diese Theorien in ihrem Vorgehen hochgradig fragwürdig sind und ganz spezifische, problematische Wege und Antworten auf Fragen der Gerechtigkeit festlegen.

Dieses weite Themenfeld ist nicht erschöpfend zu behandeln in einem Zeitschriftenband. Den Herausgebern Frank Brosow und Markus Tiedemann ist es aber gelungen, eine sehr lesenswerte Sammlung von Beiträgen zusammenzustellen, die eine gute Einführung in viele Facetten der Thematik bietet.

Was ist besonders lesenswert im Band «Social Justice»?

► «Wie ist Kritik an Social Justice möglich?» (Frank Brosow und Markus Tiedemann): Sehr informative Einführung in die Kritik dieser Theorien. Wichtige Begriffe werden erläutert (z. Bsp. Forschungsgerechtigkeit, Standpunkttheorie). Die Wurzeln der Social-Justice-Theorien werden aufgezeigt.

► «Die Transformation des Geschlechts – Geschichte des Transaktivismus» (Marie-Luise Vollbrecht): Kompakte Einführung in dieses komplexe Thema.

►»Altruistischer Fundamentalismus – Die Social-Justice-Bewegung als religionsanaloge Formation» (Inken Prohl): Inken Prohl ist Professorin für Religionswissenschaft an der Universität Heidelberg. Sie zeigt in diesem Beitrag die vielfältigen Ähnlichkeiten dieser Bewegung mit Religionen und identifiziert sie als «altruistischer Fundamentalismus».

► «Wokeness und psychische Gesundheit – Eine psychologische Deutung» (Esther Bockwyt): Die Psychologin Esther Bockwyt schildert das woke Menschenbild und die damit verbundenen, typischen Erlebens- und Verhaltensweisen – insbesondere depressive, aggressive, zwanghafte, narzisstische und histrionische Aspekte. Sie beschreibt auch die Auswirkungen der Wokeness für das Individuum und die Gesellschaft. Ausführlicher hat Esther Bockwyt diese Themen beschrieben in ihrem Buch «Woke – Psychologie eines Kulturkampfs», von Esther Bockwyt, Westend Verlag 2024. Buchbesprechung und Zitate.

► «Kulturelle Aneignung – Reflexives Unbehagen als Bildungsprozess» (Ben Moll): Am Beispiel der kulturellen Aneignung zeigt der Beitrag, worin die Herausforderungen im Umgang mit strukturellem Rassismus besteht und inwiefern dieser mit einer universalistischen Ethik begegnet werden kann.

► «Das Böse ist immer und überall – st der Antirassismus ein Neorassismus?» (Frankl Brosow): Dieser Beitrag zeigt, warum der identitätspolitisch aufgegleiste Antirassismus nicht das Gegenteil von Rassismus ist, sondern eine spezielle, keineswegs alternativlose Variante der Rassismuskritik, die sich wie jede Theorie der systematischen Kritik stillen muss. Diese Kritik am identitätspolitisch eingefärbten Antirassismus ist notwendig, weil dieser trotz seines Namens neorassistische Züge aufweist.

► «Identität, Universalismus, woke, links – Ein Interview mit Susan Neiman» (Markus Tiedemann, Susan Neiman): Im Interview geht die Philosophin Susan Neiman auf viele Begriffe ein, die im Umfeld der Social Justice wichtig sind. Sie verteidigt insbesondere den Universalismus gegen den Tribalismus (Stammesdenken) der Identitätspolitik. Susan Neiman hat zu diesem Thema auch ein lesenswertes Buch geschrieben: «Links ≠ woke», von Susan Neiman, Hanser Verlag 2023. Buchbesprechung  und Zitate.

Die Vielfalt der Beiträge rund um das Thema Social Justice in diesem Themenheft ist wirklich bemerkenswert. Ebenso bemerkenswert und hoch zu schätzen ist jedoch auch der Mut der Herausgeber und des Verlages, die dieses Heft publiziert haben. Wer Kritik an Identitätspolitik bzw. den damit verbundenen Theorien der Social Justice äussert, muss mit harten, gut organisierten Diffamierungskampagnen von Aktivisten rechnen. Die gab es auch in diesem Fall. Danke, dass Herausgeber und Verlag dem Stand gehalten haben.

Quelle: Zeitschrift für Didaktik der Philosophie und Ethik, Heft 1 Social Justice, Herausgegeben von Frank Brosow und Markus Tiedemann.

ISBN/GTIN    978-3-661-23125-9

Kategorie: Identitätspolitik Stichworte: altruistischer Fundamentalismus, Antirassismus, Ben Moll, Critical Race Theory, Disabilityy Studies, Esther Bockwyt, Ethik, feministische Theorike, Forschungsgerechtigkeit, Frank Brosow, Fundamentalismus, Gender Studies, Gerechtigkeit, Identität, Identitätspolitik, Inken Prohl, Kritik, kulturelle Aneignung, Kulturkampf, Marie-Luise Vollbrecht, Markus Tiedemann, Minderheiten, Neorassismus, Philosophie, Postcolonial Studies, Psychologie, Queer Theory, Rassismus, Rassismuskritik, Religionswissenschaft, Social Justice, Social-Justice-Theorien, Stammesdenken, Standpunkttheorie, Struktureller Rassismus, Sussan Neiman, Tansaktivismus, Tribalismus, Universalismus, Universität, Woke, Wokeness

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