Die postkoloniale Theorie hat sich in Universitäten seit Jahren fest etabliert. Das ist hoch problematisch, weil damit ein zutiefst manichäisches Weltbild verbunden ist. Gut und Böse sind in der Welt klar verteilt. Die postkoloniale Theorie bietet zudem einen Nährboden für Israelhass und Antisemitismus. Das zeigt sich schon in ihren Grundlagenwerken – zum Beispiel bei Edward Said. Und es zeigt sich in den Jubelfeiern an zahlreichen westlichen Universitäten nach den Massakern von 7. Oktober 2023 in Südisrael. Gefeiert wurde im übrigen schon lange bevor die israelische Armee in den Gazastreifen einrückte.
Was geht schief an Universitäten – und was hat die postkoloniale Theorie damit zu tun?
Dieser Frage geht der Philosoph und Antisemitismusforscher Ingo Elbe im untenstehenden YouTube-Gespräch nach.
Wie ist es möglich, dass Menschen, die für Vielfalt, Menschenrechte und Gleichberechtigung eintreten, mit Terrororganisationen wie der Hamas sympathisieren? Weshalb wird etwa das islamische Regime im Iran oder Gruppen wie die Hamas oder Hisbollah von Teilen der progressiven Szene zu einem antikolonialen Widerstand verklärt – und das obwohl sie Frauen unterdrücken, Homosexuelle und politische Gegner verfolgen, foltern und hinrichten? Das ist kein Zufall. Dahinter steckt ein Weltbild, das die Welt radikal in Unterdrücker (der Westen) und Unterdrückte (der Globale Süden) einteilt – und Israel dabei ausschliesslich auf der Täterseite verortet.
Ingo Elbe erklärt die theoretische ideologisch Basis dieser Weltbilder und zeigt die Kernpunkte der postkolonialen Theorie auf. Er arbeitet seit Jahren zu Antisemitismus, Marxismus und den ideologischen Grundlagen des gegenwärtigen Israelhasses.
Ingo Elbe: Antisemitismus in der postkolonialen Theorie
Ausserdem zum Thema postkoloniale Theorie:
Postkolonialismus: Ideologie und Aktivismus erobern Universitäten
Antiimperialismus & Postkolonialismus befeuern linken Israelhass
Wie Postkolonialismus Antisemitismus fördert und Terror legitimiert (ein weiterer Vortrag mit Ingo Elbe)
Wie Postkolonialismus Antisemitismus fördert und Terror legitimiert
Harvard Universität: Postkolonialismus & Antisemitismus Hand-in-Hand
Postkolonialismus als Quelle von Judenhass
Postkolonialismus auf Abwegen: Begeisterung für Osama Bin Laden
Buchtipps:
► «Die intellektuelle Selbstzerstörung – Wie der Westen seine eigene Zukunft verspielt», von Noam Petri & Franziska Sittig, ibidem Sachbuch, 2025. Buchbesprechung, Zitate und YouTube-Gespräche mit den Autoren.
► «Akademischer Antisemitismus – Wie Forschung und Lehre Judenhass begründen und verbreiten», von Andreas Jacobs und Richard Ottinger (Hrsg.), Hentrich & Hentrich Verlag 2026. Buchvorstellung hier.
Fazit:
Die Auseinandersetzung mit Verbrechen der Kolonialzeit und auch mit ihren Auswirkungen bis in die Gegenwart ist wichtig. Die hochgradige Einseitigkeit in vielen Bereichen der postkolonialen Theorie mit der scharfen Täter-Opfer-Trennung ist aber stark ideologisch geprägt und reduziert die Komplexität realer Verhältnisse. Die Universitäten müssen hier wieder ein Gleichgewicht finden und mehr Differenzierung zulassen. Bürgerinnen und Bürgern ist nicht zumutbar, dass sie die Lehre solcher Ideologien an Universitäten finanzieren müssen.