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Postkolonialismus: Ideologie und Aktivismus erobern Universitäten

6. Dezember 2025

Das Entsetzen war gross, als schon in den Tagen unmittelbar nach den Pogromen am 7. Oktober 2023 in Israel an vielen westlichen Universitäten die Taten der Hamas gefeiert wurden. Diese Entgleisungen einer identitätspolitischen Linken basieren weitgehend auf Konzepten aus dem akademischen Feld des Postkolonialismus.

Am 7. Oktober zeigte sich überaus deutlich ein Phänomen, das schon längere Zeit an Universitäten herangewachsen ist, und von Noam Petri und Franziska Sittig in ihrem Buch «Die intellektuelle Selbstzerstörung» als woke-islamistische Allianz beschrieben wird.

Es ist deshalb höchste Zeit, dass westliche Demokratien sich damit befassen, welche ideologischen Verblendungen sich an ihren Universitäten festgesetzt haben.

Was ist Postkolonialismus?

Der Postkolonialismus als geistige und politische Strömung entwickelte sich seit der Mitte des 20. Jahrhunderts in Auseinandersetzung mit der Geschichte des europäischen Kolonialismus und Imperialismus.

Postkoloniale Theorien setzen sich demzufolge mit der kolonialen Vergangenheit auseinandersetzen und mit den fortbestehenden Wirkungen kolonialen Denkens in der Gegenwart. Kritisiert werden dabei „Eurozentrismus“, „westlichen Kulturimperialismus“ und „das schwierige Erbe der europäischen Aufklärung“, Postkoloniale fordern eine umfassende „Dekolonisierung“ in Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Literatur, Kunst und Recht, in der Populärkultur sowie im Alltag.

Das sind wichtige Themen und die Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit des Westens wurde lange nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit geführt. Postkoloniale Ansätze haben dabei durchaus zum Verständnis der Auswirkungen von Kolonialismus und Imperialismus beigetragen.

Allerdings sind weite Bereiche des Postkolonialismus geprägt durch einen ausgeprägten Manichäismus (Gut-Böse-Schema). Dabei werden wesentliche historische Fakten, die mit postkolonialen Theorien nicht kompatibel sind, ausgeblendet oder verzerrt dargestellt. Das hilft natürlich bei der Unterteilung der Welt in ein klares Freund/Feind-Schema.

Diese stark ideologisch aufgeladenen Strömungen im Postkolonialismus unterminieren wichtige Werte von Demokratie, Wissenschaft, Aufklärung und Universalismus.

Leitlinien im Postkolonialismus

Der Postkolonialismus ist keine homogene Strömung, doch zeigen sich in diesem Kontext immer wieder einige prägende Leitlinien:

  1. Leitidee: Rassismus / Humanismus

Rassismus ist gemäss postkolonialen Theorien angeblich ein ausschliesslich westliches, also weisses Produkt.

Weisse sind quasi obligatorische Rassisten unabhängig davon, ob sie rassistisch denken oder handeln – oder nicht. Es geht dabei um eine Art von Erbschuld. Wir haben es hier ganz offensichtlich mit einer stark verzerrten Auffassung zu tun. Wer schon einmal davon gehört hat, wie rassistisch Japaner im Zweiten Weltkrieg mit Chinesen umgegangen sind, oder wieviel innerafrikanischen Rassismus es immer noch gibt, glaubt nicht mehr an dieses postkoloniale Märchen. Schon in der arabischen Kultur existierte ein Konzept des Untermenschen auf der Basis von Hautfarben – und zwar schon in vorislamischer Zeit.

Der Historiker Egon Flaig schreibt dazu in seinem Buch «Die Niederlage der politischen Vernunft»:

«Die arabischen Geographen erblickten im heissen und im kalten Klima die Ursache, warum nur die ‘Braunen’ vollwertige Menschen würden, wohingegen die Weissen im Norden und die Schwarzen im Süden zu Untermenschen gerieten. Es ist also kein dichotomischer Rassismus, sondern ein trichotomischer. Demgemäss gelten auch Türken, Slawen und Chinesen als ‘weisse’, daher minderwertige Rassen…..

Die arabische Philosophie übernahm diesen hautfarblichen Rassismus. Der grosse Avicenna (Ibn Sina, gest. 1037) behauptet umstandslos, extremes Klima produziere ‘Sklaven von Natur’, ‘denn es muss Herren und Sklaven geben’…..’Türken und Schwarze’ sind ‘Sklaven von Natur’….

Desgleichen lesen wir beim Gelehrten Ibn Khaldun (1332 – 1406): ‘Daher sind in der Regel die schwarzen Völker der Sklaverei unterwürfig, denn [sie] haben wenig Menschliches und haben Eigenschaften, die ganz ähnlich von stummen Tieren sind, wie wir festgestellt haben.

Erst fünf Jahrhunderte später gelangte dieser Rassismus zu den Europäern, was auf die weite Verbreitung von Avicennas medizinischen Schriften zurückzuführen ist.» (Seite107/108)

Passend zu seiner stark verengten Rassismus-Definition diffamiert der Postkolonialismus den Humanismus als Maskerade, mit der die Weissen ihren Rassismus bemänteln und legitimieren.

  1. Leitidee: Sklaverei / Kolonialisierung

Auch Sklaverei und Kolonialismus werden im Postkolonialismus fast ausschliesslich dem weissen Westen zugeschrieben. Diese Leitidee ist ebenfalls ideologisch verzerrt. Es ist jedenfalls falsch, dass erst der weisse Mann die Sklaverei nach Afrika gebracht hat. Der afrikanische Sklavenhandel mit Arabien und Persien erreichte schon ab dem zehnten Jahrhundert einen ersten Höhepunkt und war bereits vorher betrieben worden. Arabischstämmige und indigene Afrikaner organisierten den Sklavenhandel auf dem schwarzen Kontinent lange vor der Kolonisierung durch europäische Staaten. Es waren Afrikaner, die den Europäern versklavte Afrikaner verkauften. Der islamische Kolonialismus hat auf dem afrikanischen Kontinent jedenfalls bis heute seine Spuren hinterlassen. Und die Weissen waren bei diesem Geschäft auch nicht ausschliesslich Täter in Afrikas Sklaverei und Sklavenhandel, sondern mitunter auch Opfer.

Die nordafrikanischen «Barbaresken-Staaten», darunter auch Algier, erzielten beispielsweise vom 16. bis zum 19. Jahrhundert erhebliche Einnahmen aus der Kaperei. Sie überfielen europäische Schiffe und raubten sie aus. Die Besatzungen wurden gefangen genommen und Lösegeld für sie erpresst. Wo kein Lösegeld gezahlt wurde, galten die Gefangenen als Sklaven. Davon sollen mehr als eine Million Weisser betroffen gewesen sein. In Hamburg und Lübeck wurden mit Beginn des 17. Jahrhunderts Sklavenkassen eingerichtet, eine Art von Versicherungsanstalten zum Freikauf versklavter weisser Seeleute.

Sklaverei ist entgegen den Darstellungen im Postkolonialismus deshalb kein manichäisches Phänomen mit ausschliesslich Weissen als Tätern und Schwarzen als Opfer. Schwarze versklavten auch Schwarze und Weisse versklavten auch Weisse. Die alten Römer und Griechen hatten genauso Sklaven wie die Wikinger und Germanen.

Der Postkolonialismus unterschlägt auch die Tatsache, dass es die Weissen waren, die im 19. Jahrhundert zur politischen Zerschlagung der sklavistischen Systeme ansetzten, und dazu im Inneren Afrikas intervenierten, weil es nicht reichte, den Sklavenhandel an der Küste zu unterbinden. In der Folge zerschlugen Briten und Franzosen die Sklaverei im Innern Afrikas und wenn sie nicht interveniert hätten, wären die heutigen Afrikaner wohl weit überwiegend Sklaven.

Der Historiker Egon Flaig schreibt dazu:

«Von allen Kulturen der Weltgeschichte hat lediglich die westeuropäische einen Diskurs hervorgebracht, der die Sklaverei grundsätzlich entlegitimiert; und nur in ihrem Einzugsbereich kam es zu einem stetigen Kampf für die Abschaffung des Sklavenhandels und der Sklaverei. Diese Diskussionen mit ihren ergreifenden Texten gehören zu den massgeblichen Quellen für die Entstehung der Menschenrechte. Als 1807 der Sklavenhandel im Britischen Empire verboten wurde, begann erstmals ein von staatlicher Macht getragener Kampf zur weltweiten Abschaffung der Sklaverei. Ab 1849/50 setzte die britische Marine – oft unter Verletzung des Völkerrechts – eine weitgehende Blockade der westafrikanischen Küste durch und erdrosselte den dortigen atlantischen Sklavenhandel….

Doch gegen alle Erwartungen brachen die sklavistischen Systeme nicht zusammen, weder in den USA noch in Brasilien, Kuba oder in der islamischen Welt.» (Seite 109/110)

Es geht auch bei den Themen Sklaverei und Kolonialismus nicht darum, westliche Verfehlungen und Verbrechen zu beschönigen. Die hochgradig einseitige Darstellung dieser Geschichte im Postkolonialismus ist aber eine Verfälschung, die einzig der Bewirtschaftung der manichäischen Täter/Opfer-Zuschreibungen dient und damit der Diffamierung demokratischer Gesellschaften. Dass solche Ideologien sich fast unhinterfragt an vielen westlichen Universitäten etablieren konnten unterminiert die Resilienz von liberalen Demokratien. Die Abwertung des Westens ist ein zentrales Element im Postkolonialismus. Er spielt damit allen Autokraten dieser Welt in die Hände und kommt ihnen dabei oft nah.

  1. Leitidee: Böser Westen – immerzu unschuldiger «Globaler Süden»

Schon die Leitideen 1 und 2 haben den krassen Manichäismus aufgezeigt, der weite Bereiche des Postkolonialismus prägt – und als eigene Leitidee Aufmerksamkeit verdient.

Postkolonialistische Theorien neigen stark dazu, den Westen als Schuldigen für alle Übel in der Welt zu diffamieren. Und einen sehr pauschal vorgestellter «Globalen Süden» im Gegensatz dazu als durchwegs unschuldig – entweder als Opfer oder als widerständiger Akteur, der sich nur gegen den Westen wehrt.

Die manichäische Gegenüberstellung von „unschuldigem Globalen Süden“ und „schuldigem Westen“ ist eine der grössten Schwächen vieler postkolonialer Ansätze. Daraus ergeben sich unter anderem folgende Kritikpunkte:

► Der „Westen“ ist kein homogener Täterblock

  • Der „Westen“ umfasst nicht nur Kolonialmächte, sondern auch antikoloniale Bewegungen (z.B. europäische Solidaritätsgruppen, kritische Intellektuelle).
  • Nicht alle westlichen Gesellschaften waren gleichermaßen an Kolonialismus beteiligt – und viele profitieren heute nicht von postkolonialen Ungleichheiten (z.B. Arbeiter in Europa).

► Der „Globale Süden“ ist kein homogener Raum der Unschuld

  • Interne Machtverhältnisse: Viele Gesellschaften des Globalen Südens haben eigene Hierarchien (Klasse, Ethnizität, Geschlecht), die häufig unabhängig vom Kolonialismus existieren – etwa Kastenwesen in Indien, Sklaverei in Afrika vor der Kolonialzeit, oder autoritäre Regime heute.
  • Kollaboration: Es gab und gibt lokale Eliten, die mit Kolonialmächten oder neokolonialen Akteuren kooperieren – sei es aus Eigeninteresse oder Zwang.
  • Eigene Gewaltgeschichte: Einige postkoloniale Staaten reproduzieren unterdrückerische Praktiken (z.B. Korruption, Menschenrechtsverletzungen), die nicht einfach dem „Westen“ zugeschrieben werden können.
  • Wirtschaftliche Probleme der Länder des «Globalen Südens» ausschliesslich auf westliche Unterdrückung und Ausbeutung zurückzuführen entbindet die Eliten und die Bevölkerung dieser Länder von jeder Verantwortung. Korruption, Misswirtschaft und andere Aspekte schlechter Regierungsführung sind auch hausgemacht.

 

► Der Postkolonialismus negiert oft Errungenschaften des Westens

  • Der postkoloniale Manichäismus neigt stark zur Negierung westlicher Errungenschaften wie Wissenschaft, Aufklärung, Demokratie und Menschenrechte. Die Tatsache, dass der «Westen» den damit verbundenen Idealen allzu oft nicht gerecht wird liefert keine guten Gründe, diese Errungenschaften nicht wertzuschätzen und zu verteidigen.
  • Eine besondere Errungenschaft des «Westens» ist die Kultivierung der Selbstkritik. Keine andere Gesellschaft stellt sich selber so stark in Frage und thematisiert die eigenen Fehler der Vergangenheit und Gegenwart – auch wenn es manchmal wie beim Thema Kolonialismus zu lange dauern mag. Im Gegensatz dazu fehlt beispielsweise in islamischen Staaten eine kritische Auseinandersetzung mit Rassismus, Kolonialismus, Antisemitismus und Sklaverei in der eigenen Geschichte und Gegenwart.

► Diffamierung des «Westens» spielt Autokratien und Theokratien in die Hände

  • Die manichäische Darstellung des Westens als Täter und des Globalen Südens als Raum der Unschuld wird gerne von Autokraten und Theokraten aufgenommen und gegen den Westen in Stellung gebracht. Das bringt postkoloniale Denker nicht selten in unappetitliche Nähe zu Autokraten und Theokraten. Zum Beispiel wenn identitätspolitische Linke mit Islamisten eine Allianz gegen westliche Werte als den gemeinsamen Feind eingehen, wie es Petri & Sittig in ihrem Buch beschrieben haben.
  • Autokraten und Theokraten profitieren auch davon, dass der Postkolonialismus Kritik am «globalen Süden» oft tabuisiert. So wird beispielsweise Kritik am Islam und am Islamismus häufig als «antimuslimischer Rassismus» oder als «Islamophobie» diffamiert.

► Postkolonialer Manichäismus prägt den Israel-Palästina-Konflikt

Der Postkoloniale Manichäismus schlägt voll auf die Interpretation des Israel-Palästina-Konflikts durch. Israel wird dem bösen Westen zugeschlagen und als weisser Siedlerstaat diffamiert, während die Palästinenser als Teil des Globalen Südens die unschuldigen Opfer sind. Diese Sichtweise ist sehr unterkomplex und ideologisch verzerrt. Damit ist der Postkolonialismus mitverantwortlich dafür, dass nach dem 7. Oktober 2023 an westlichen Universitäten die Hamas-Pogrome gefeiert wurden, was ein moralisches Versagen ersten Ranges ist.

Fazit: Die westlichen Demokratien müssen sich ernsthaft Gedanken machen, wie sie mit der Ideologie des Postkolonialismus umgehen, der sich an ihren Universitäten vor allem in den Sozial- und Geisteswissenschaften festgesetzt hat.

Quellen: 

☛ «Die Niederlage der politischen Vernunft – Wie wir die Errungenschaften der Aufklärung verspielen», von Egon Flaig, zu Klampen Verlag 2017. Buchbeschreibung und Zitate.

☛ «Postkoloniale Mythen – Auf den Spuren eines modischen Narrativs», von Mathias Brodkorb, zu Klampen Verlag 2025. Buchbesprechung und Zitate.

☛ Recherche unterstützt durch Le Chat Mistral AI.

Ausserdem passend zum Thema:

☛ Die Siedlerkolonialismus-Theorie ist ein Sprössling des Postkolonialismus und genauso manichäisch:

«Siedlerkolonialismus – Ideologie, Gewalt und Gerechtigkeit», von Adam Kirsch, Edition TIAMAT, 2025. Buchvorstellung und Zitate.

☛ Zur Allianz zwischen Postkolonialismus und Islamismus:

«Die intellektuelle Selbstzerstörung – Wie der Westen seine eigene Zukunft verspielt», von Noam Petri & Franziska Sittig, ibidem Sachbuch, 2025. Buchbesprechung, Zitate und YouTube-Gespräche mit den Autoren.

☛ Wie Postkolonialismus Antisemitismus fördert und Terror legitimiert

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