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Der Fall Jason Arday: Wie Identitätspolitik Wissenschaft zersetzt

7. August 2026

Der britische Soziologe Jason Arday galt lange Zeit als akademischer Star der internationalen Anti-Rassismus-Forschung. Er wurde gefeiert als jüngster schwarzer Professor der Universität Cambridge und fand weltweit Beachtung als Symbolfigur sozialen Aufstiegs sowie des Kampfes gegen Rassismus und soziale Ungleichheit. Vieles an seiner von ihm selbst und den Medien gestrickten Erfolgsgeschichte soll allerdings nicht stimmen. Nach schwerwiegenden Plagiats- und Hochstapelei-Vorwürfen trat er zurück. Der tiefe Fall des «Akademischen Wunderkindes» reicht aber weit über die Einzelfigur Jason Arday hinaus. An diesem Beispiel zeigt sich exemplarisch, wie Identitätspolitik die Wissenschaft unterminiert.

Jason Arday – Kritik, Opferhaltung, Verteidigung

Mehrere Medien wie etwa der Telegraph berichteten über zum Teil schwerwiegende Plagiatsvorwürfe gegen Jason Arday. Ihm wird vorgeworfen, sowohl in seiner Doktorarbeit als auch in späteren wissenschaftlichen Publikationen umfangreiche Passagen aus Arbeiten anderer Autoren ohne ausreichende Kennzeichnung übernommen zu haben; der Telegraph spricht sogar von über 100 identischen oder nahezu identischen Passagen.

Der Telegraph enthüllte auch, dass Prof. Jason Arday wiederholt behauptet hatte, er sei der Autor eines Buches mit dem Titel «Being Young, Black and Male: Challenging the Dominant Discourse». Dieses Buch wurde in seiner Biografiebeschreibung in publizierten Aufsätzen sowie in Werbematerial für Veranstaltungen aufgeführt und dem Verlag Palgrave Macmillan zugeschrieben. Es gibt aber keine Belege dafür, dass ein solches Buch geschrieben oder veröffentlicht wurde.

Dazu kommen eine Reihe von zum Teil skurrilen Behauptungen, die Jason Arday über sich in die Welt setzte. So erzählte er beispielsweise, er sei sechshundert Meilen in sechs Tagen und dreissig Marathons in fünfunddreissig Tagen gelaufen. Einen davon mit einem epileptischen Anfall und einer Knochenfissur.

Er habe zudem über mehrere Jahre hinweg 5 Millionen Pfund für wohltätige Zwecke gesammelt, könne jedoch den Namen der Spendengruppe aus rechtlichen Gründen leider nicht nennen. Einmal behauptete Jason Arday, er sei in einer bekannten Fernsehserie aufgetreten, was sich schlecht mit dem Umstand verträgt, dass diese Serie Jahrzehnte vor seiner Geburt ausgestrahlt wurde.

Jason Arday hat zudem konsequent die Opferkarte gespielt. Er behauptete, er sei im Universitätsgebäude von einem Mann mit Messer bedroht worden. Diesem Angriff ist er angeblich entkommen. Niemand anderer an der Universität hat davon etwas gesehen oder gehört. Und Arday fand es eigenartigerweise auch nicht nötig, im Anschluss an den Angriff die Polizei, einen Sicherheitsdienst der Universität oder seine Kolleginnen und Kollegen darüber zu informieren, dass ein Mann mit Messer im Gebäude unterwegs ist.

Jason Arday diffamierte die aufkommende Kritik an seiner Person und seiner Arbeit als rassistische Kampagne und forderte seine Anhänger auf, ihn zu verteidigen. Und tatsächlich unterstützten ihn diese Kreise und diffamierten die Kritik als Schmierenkampagne von rechts, die nur zum Ziel habe, den schwarzen Star-Akademiker zu verunglimpfen.Tausende haben einen Solidaritätsbrief unterzeichnet, darunter auch  mehrere Abgeordnete der Labour-Partei.

Auch die Universität Cambridge stellte sich reflexhaft hinter ihren Star-Soziologen und weigerte sich, den Fall kritisch zu untersuchen.

Mehr als ein Einzelfall – Symptom einer Wissenschaftskrise

Beim tiefen Fall des Jason Arday geht es nicht nur um die tragische Geschichte eines Hochstaplers. Es stellen sich brisante Fragen an den Wissenschaftsbetrieb. Sabine Döring, Professorin für Philosophie an der Universität Tübingen, schreibt dazu auf X:

«Sollten sich diese Recherchen des „Guardian“ bestätigen, wäre der Schaden weit größer als der Fall eines einzelnen Wissenschaftlers. Beschädigt würde der Anspruch der Wissenschaft auf qualifizierte Erkenntnissuche und auf epistemische Gerechtigkeit.

Damit meine ich vor allem: Es reicht nicht, hier allein Jason Arday den Wölfen vorzuwerfen. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, stellen sich ebenso Fragen an die Institutionen: Wer hat die Dissertation betreut? Wie verlief das Berufungsverfahren nach Cambridge?

Welche Qualitätskotrollen haben versagt? Wenn hier systemische Defizite sichtbar werden, reichen personelle Schuldzuweisungen nicht aus. Das wäre der eigentliche Abgrund.»

Brisant sei der gesamte Fall vor allem deswegen, weil er einen Grundkonflikt berühre, der mittlerweile nahezu alle westlichen Universitäten präge: das Spannungsverhältnis zwischen wissenschaftlicher Integrität und identitätspolitischer Symbolik. Das schreibt Jan Uphoff auf Cicero. Jason Arday sei längst nicht mehr nur Wissenschaftler, sondern Projektionsfläche gesellschaftlicher Debatten über Diversität, Chancengleichheit und strukturellen Rassismus. Er verweiste dabei immer wieder auf die besonderen Anfeindungen, denen schwarze Wissenschaftler ausgesetzt seien, und ordne die Vorwürfe in einen größeren Zusammenhang ein. Die Debatte erhalte dadurch zwangsläufig eine politische Dimension und werde von einer Diskussion über wissenschaftliche Standards zu einer Auseinandersetzung über Rassismus, Diversität und die politische Kultur westlicher Universitäten.

Die Debatte habe sich bemerkenswert schnell von der eigentlichen Sachfrage entfernt, ob Arday wissenschaftliche Standards verletzte oder nicht?

Gerade deshalb habe die Wissenschaft seit Jahrhunderten versucht, persönliche Autorität durch überprüfbare Verfahren zu ersetzen:

«Ob jemand konservative oder progressive Positionen vertritt, einer Minderheit angehört oder selbst Diskriminierung erfahren hat, darf für die Beurteilung wissenschaftlicher Arbeiten keine Rolle spielen. Genau darin liegt der normative Kern des westlichen Wissenschaftsverständnisses: Wissenschaft soll nicht die moralische Autorität ihres Urhebers bestätigen, sondern die Gültigkeit seiner Argumente und die Nachvollziehbarkeit seiner Methoden prüfen.»

Seit der Aufklärung beruhe der Anspruch der Wissenschaft auf der Überzeugung, dass sich Wahrheit weder aus Herkunft noch aus gesellschaftlichem Status oder politischen Überzeugungen ableiten lässt, sondern allein aus überprüfbaren Belegen, logischer Argumentation und der demütigen Einsicht, Behauptungen jederzeit falsifizieren zu können. Denn nur so könne die wissenschaftliche Methode überhaupt den Anspruch erheben, sich der Wahrheit anzunähern – unabhängig von der Person, die sie äußert.

Deshalb können auch die Kritiker Jason Ardays nicht aufgrund einer politischen Position oder anderer möglicher Motive diskreditiert werden, solange ihre Argumente überprüfbar sind.

Jan Uphoff konstatiert dazu:

«Wo anstelle dieser Logik….die Biografie des Forschers oder die vermeintlich „niederträchtigen“ Absichten seiner Kritiker in den Mittelpunkt rücken, drohen die wissenschaftliche Debatte und ihr Anspruch auf Wahrheitsfindung zur polemischen Lagerauseinandersetzung zu werden.»

Im Fall Jason Arday entscheide sich deshalb nicht einfach nur das Schicksal eines einzelnen Professors, dem Plagiate vorgeworfen werden. Es entscheide sich vielmehr, ob Universitäten auch in Zukunft noch bereit sind, universalistische wissenschaftliche Maßstäbe unabhängig von Herkunft, Hautfarbe und politischer Symbolkraft gleichermaßen anzuwenden. Denn nur unter dieser Voraussetzung könne Wissenschaft überhaupt ihrem eigenen Anspruch gerecht werden, sich möglichst objektiv der Wahrheit anzunähern.

Was hat der Fall James Arday mit Identitätspolitik zu tun?

Dieser Fall zeigt destruktive Einflüsse der Identitätspolitik auf die Wissenschaft exemplarisch. Dazu hier nur drei Punkte:

► Identitätspolitik unterstreicht die Opferrolle von Minderheiten und setzt sie oft gar absolut. Das macht Hochstapler wie Jason Arday fast unangreifbar. Siehe dazu als Buchtipp:

«Gefangen in der Opferrolle – Warum Wokeness scheitert», von Varnan Chandreswaran, hier eine Buchbesprechung und Zitate.

► In Identitätspolitik und insbesondere im Postkolonialismus hat das Konzept der «Forschungsgerechtigkeit» eine starke Stellung. Ziel dieser aktivistischen Bewegung ist die Förderung von Minderheiten in den Wissenschaften. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, doch stellt sich die Frage, auch welchem Weg dieses Zeil angestrebt wird. Im Konzept der «Forschungsgerechtigkeit» spielt dabei die Senkung wissenschaftlicher Standards eine wichtige Rolle. Genau dieses Vorgehen zeigt der Fall Jason Arday.

Siehe dazu:

Forschungsgerechtigkeit – gutgemeintes Konzept unterminiert Wissenschaft

Ausserdem:

Identitätspolitik unterminiert Wissenschaft

Identitätspolitik unterminiert Meinungsfreiheit und Wissenschaftsfreiheit

► Derartige Einflüsse von Identitätspolitik auf die Wissenschaften gibt es natürlich nicht nur in Cambridge und auch nicht nur in Grossbritannien. Man findet sie zum Beispiel auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Und die Öffentlichkeit sollte genau hinsehen, ob und wo bei uns wissenschaftliche Standards unterlaufen werden durch gutgemeinten Aktivismus und Diversity-Vorgaben. Was Menschen aus unterrepräsentierten Minderheiten übrigens nachweislich hilft bei der Verbesserung ihrer Position sind Mentoring-Programme.

Quellen:

Identitätspolitik ersetzt Wissenschaft (Cicero)

   Ohne Paywall im Web-Archiv: https://archive.ph/IyL3h

Er galt als akademisches Wunderkind: Anschuldigungen gegen Cambridge-Professor  (NZZ)

   Ohne Paywall im Web-Archiv: https://archive.ph/KSKud

«Akademisches Wunderkind» tritt nach Plagiats- und Hochstaplervorwürfen zurück (NZZ)

   Ohne Paywall im https://archive.ph/5iHGt

Jason Arday resigns after Telegraph reveals his false book claims (Telegraph)

Playbooks, plagiarism and a pig’s head: new claims surrounding a star Cambridge professor (Guardian)

Sabine Döring auf X: https://x.com/sabinedoering/status/2083789467408572829

Kategorie: Identitätspolitik Stichworte: Aktivismus, Anti-Rassismus, Arday, Aufklärung, Cambridge, Chandresvaran, Deutschland, Diskriminierung, Diversität, Forschungsgerechtigkeit, Identitätspolitik, Jason Arday, Meinungsfreiheit, Minderheiten, Opferrolle, Österreich, Philosophie, Postkolonialismus, Rassismus, RassismusMedien, Sabine Döring, Schweiz, Struktureller Rassismus, Tübingen, Universität, Universität Cambridge, Varnan Chandreswaran, Wahrheit, Wissenschaft, Wissenschaftsfreiheit, Wokeness

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