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Dankbarkeit als zentraler Baustein für die Demokratie

29. Januar 2026

Dankbarkeit ist ein positives Gefühl oder eine Haltung, womit eine Zuwendung anerkannt wird, die man erhalten hat oder erhalten wird. Dankbarkeit wird einerseits im privaten Kreis geäussert, ist aber andererseits auch ein wichtiges Element in vielen Weltreligionen. Im Bereich der Politik scheint sie weniger vorzukommen.

Dankbarkeit spielt aber eine überraschend wichtige Rolle für das Funktionieren und die Stabilität von Demokratien – sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene.

Hier sind einige zentrale Gedanken und Perspektiven zum Zusammenhang von Dankbarkeit und Demokratie:

  1. Dankbarkeit stärkt den sozialen Zusammenhalt

Demokratien leben vom Vertrauen und der Bereitschaft, sich für das Gemeinwohl zu engagieren. Dankbarkeit fördert dieses Vertrauen: Wenn Menschen das Gefühl haben, dass ihr Einsatz (z. B. als Wählerinnen und Wähler, als Freiwillige oder Steuerzahler) wertgeschätzt wird, sind sie eher bereit, sich weiter einzubringen. Studien zeigen, dass dankbare Gesellschaften weniger anfällig für Polarisierung und Konflikte sind.

  1. Anerkennung von Vielfalt und Kompromissbereitschaft

Dankbarkeit hilft, Unterschiede zu akzeptieren und Kompromisse einzugehen – beides ist essenziell für demokratische Prozesse. Wer dankbar für die Meinungsfreiheit, für friedliche Machtwechsel oder für die Arbeit anderer ist, sieht eher den Wert darin, auch unangenehme Meinungen auszuhalten und nach gemeinsamen Lösungen zu suchen.

  1. Schutz vor politischer Apathie und Zynismus

In vielen Demokratien sinkt die Wahlbeteiligung, und das Vertrauen in Institutionen schwindet. Dankbarkeit kann hier als Gegenmittel wirken: Wer sich bewusst macht, was Demokratie ermöglicht (z. B. Sicherheit, Bildung, Mitbestimmung), ist eher motiviert, sich aktiv einzubringen – statt in Resignation oder Protesthaltung zu verfallen.

  1. Dankbarkeit als Gegenentwurf zu Populismus

Populistische Bewegungen nutzen oft Unzufriedenheit und das Gefühl, „zu kurz zu kommen“. Dankbarkeit kann helfen, den Blick auf das zu lenken, was funktioniert – ohne Probleme zu verharmlosen. Sie fördert eine realistischere, lösungsorientierte Haltung.

Egon Flaig zum Thema Dankbarkeit und Demokratie

Mit der Bedeutung von Dankbarkeit für die Demokratie hat sich der Historiker Egon Flaig befasst. In seinem Buch «Die Niederlage der politischen Vernunft» schreibt er:

«Unsere Öffentliche Kultur leidet unter einer Verfemung der Dankbarkeit in fast allen kulturellen Hinsichten. Das ist die habituelle Folge einer verallgemeinerten Ansicht, man könne auf alles und jederzeit Ansprüche erheben.  Anspruchsberechtigte sind radikal undankbar……

Freilich ist die Haltung ›Ich schulde nichts, daher muss ich nichts rückerstatten‹ für jede Kultur selbstmörderisch, für eine politische Gemeinschaft sowieso…..

Demzufolge wäre es Dankbarkeit, was letztlich die menschliche Gesellschaft – nicht bloss die politische Gemeinschaft – zusammenhält…….

Wenn sich die Dankbarkeit gegenüber den Gründern unserer aufklärerischen Kultur in Undankbarkeit verwandelt, dann lösen die europäischen Republiken sich auf, ob in einer Generation oder in zweien spielt keine Rolle. Ein solcher Prozess ist zunächst kaum wahrnehmbar, und wer von Augenblickseindrücken lebt, wird ihn guten Gewissens leugnen.» (Seiten 398/399/400).

Und in einem Beitrag für die NZZ schreibt Egon Flaig:

«Die europäischen Demokratien zerbröckeln, weil der Demos – die Bürgerschaft – zerfällt in kulturell verfeindete Parallelgesellschaften. Deren Bewohner sträuben sich – in einem erschreckend hohen Prozentsatz – gegen die Zumutung, sich integrieren zu sollen in ein Volk von partizipierenden Bürgern. Diese Integrationsunwilligen glauben, dass sie der westlichen Kultur nichts verdanken. Schlimmer noch: Diesem Glauben verfällt ein immer weiterwachsender Anteil des Staatsvolkes selber. Wenn diese Undankbarkeit ansteigt, dann verlieren wir Europäer drei Dinge, nämlich die Wissenschaft, die Demokratie und die Menschenrechte…….

Der Grund, dankbar zu sein, lässt sich nicht wegdiskutieren, da er in Gestalt tausendfacher Errungenschaften vor unseren Augen steht: Die europäische Kultur – und nur sie – hat institutionalisierte Republiken und Demokratien hervorgebracht, nur sie hat in schwersten Kämpfen die Sklaverei abgeschafft und die Menschenrechte formuliert, sie zuerst hat Wissenschaften entwickelt; ihr verdanken wir die Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Genauer: All das verdanken wir den Generationen vor uns. Somit ist Dankbarkeit gegen die Vergangenheit kardinal für das zivile Selbstverständnis, aus dem unsere Demokratien sich nähren.»

Fazit:

Es spricht also einiges dafür, dass wir Dankbarkeit auch in Kontext der Demokratie sorgfältig pflegen sollten. Dabei gilt es zugleich festzuhalten, dass Dankbarkeit einem kritischen Blick auf die eigene Kultur, ihre Vergangenheit und Gegenwart, nicht im Wege steht. Im Gegenteil: Selbstkritik ist geradezu ein Kennzeichen der europäischen Kultur. Die hochgradig einseitige, manichäische Brandmarkung dieser europäischen Kultur als Quelle allen Übels auf der Welt, wie sie vor allem im Postkolonialismus über weite Strecken zelebriert wird, ist allerdings sehr fragwürdig. Diese Ideologie steht einer gesunden Dankbarkeit entgegen und unterminiert demokratische Gesellschaften.

Siehe dazu: Postkolonialismus: Ideologie und Aktivismus erobern Universitäten

Dankbarkeit ist angebracht für das grosse Glück, das wir haben, im Westen aufgewachsen zu sein, im Westen des 21. Jahrhunderts zu leben. Wir sollten Privilegien wie Meinungsfreiheit, Demokratie, Bildungschancen, friedliche Machtwechsel etc., die wir in den meisten Gegenden der Welt nicht hätten, schätzen und sie nicht für selbstverständlich nehmen.

Quellen:

«Die Niederlage der politischen Vernunft», von Egon Flaig, zu Klampen Verlag 2017.

(Buchvorstellung und Zitate hier)

Egon Flaig: Demokratie und Dankbarkeit (NZZ)

(ohne Schranke hier)

Recherche unterstützt durch Le Chat Mistral AI.

Siehe ausserdem:

Werte, demokratische

Debattenkultur in der Demokratie

Verantwortung für Demokratie

Zynismus, politischer – als Gefahr für die Demokratie

Populismus schadet der Demokratie – wie macht er das?

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