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Relativismus als Gefahr für die Demokratie

22. Januar 2026

Der Relativismus als philosophisches Konzept geht davon aus, dass sich je nach Perspektive oder Situation unterscheiden kann, was als „wahr“ oder „richtig“ gilt.

Wahrheiten, Werte oder moralische Prinzipien gelten also nicht absolut oder universell, sondern sind abhängig von bestimmten Bedingungen wie Kultur, Zeit, Kontext oder individuellem Standpunkt. Welche Einflüsse das auf Demokratien haben kann, zeigt dieser Beitrag.

Relativismus wird häufig als Gegensatz zum Universalismus oder zum Absolutismus gesehen.

Der Universalismus vertritt die Auffassung, dass es universelle Prinzipien, Werte oder Wahrheiten gibt, die unabhängig von kulturellen oder individuellen Unterschieden gelten. Beispiele sind Menschenrechte oder bestimmte moralische Grundsätze, die als für alle Menschen verbindlich angesehen werden.

Der Absolutismus ist als Begriff oft enger gefasst und bezieht sich auf die Vorstellung starrer, unveränderlicher Wahrheiten oder Normen, die nicht nur als universell, sondern auch als unverrückbar gelten. Absolutismus kann also als eine spezielle Form oder Ausprägung des Universalismus verstanden werden, bei der die Gültigkeit der Prinzipien strikt und ohne Ausnahmen angenommen wird.

Der Gegensatz zwischen Relativismus und Universalismus ist besonders wichtig in ethischen, politischen und kulturellen Debatten, etwa bei der Frage, ob Menschenrechte universell gelten oder kulturell unterschiedlich interpretiert werden müssen.

Der Relativismus wird oft kritisiert, weil er zu einer Beliebigkeit oder einem Verzicht auf objektive Maßstäbe führen kann. Er kann aber auch als eine Haltung verstanden werden, die Toleranz und Respekt für unterschiedliche Sichtweisen fördert. Relativismus kann deshalb den Dialog zwischen verschiedenen Gemeinschaften fördern.

Drei verschiedene Varianten des Relativismus

Es ist wichtig zu verstehen, dass Relativismus in drei verschiedenen Varianten anzutreffen ist:

  • Kultureller Relativismus: Moralische Werte und Normen sind kulturell bedingt. Was in einer Gesellschaft als richtig gilt, kann in einer anderen als falsch angesehen werden. Beispiel: Essgewohnheiten oder soziale Bräuche variieren stark zwischen Kulturen.
  • Epistemologischer Relativismus: Erkenntnis oder Wissen ist immer durch den Standpunkt des Beobachters geprägt. Es gibt keine objektive, von Allen akzeptierte Wahrheit, sondern nur unterschiedliche Perspektiven.
  • Moralischer Relativismus: Es gibt keine universell gültigen moralischen Regeln. Was als moralisch richtig oder falsch gilt, hängt von individuellen oder gesellschaftlichen Überzeugungen ab.

 Warum kann Relativismus die Demokratie gefährden?

Relativismus kann Demokratien aus mehreren Gründen gefährden:

  1. Wahrheitsfindung: Relativismus stellt die Idee in Frage, dass es objektive Wahrheiten gibt. In einer Demokratie ist jedoch eine gemeinsame Basis an Fakten und Wahrheiten wichtig, um informierte Entscheidungen zu treffen und Debatten zu führen. Wenn alle Meinungen als gleichwertig betrachtet werden fehlen feste Massstäbe, an denen man Handlungen und politische Entscheidungen messen kann. Es kann dadurch schwierig werden, eine fundierte öffentliche Diskussion zu führen, weil gemeinsame Grundlagen für Diskussionen und Kompromisse fehlen. Beliebigkeit und Orientierungslosigkeit nehmen dadurch zu.
  2. Moralische Standards: Relativismus kann dazu führen, dass moralische Standards in Frage gestellt werden. In einer demokratischen Gesellschaft sind bestimmte Werte und Prinzipien (wie Menschenrechte oder Gerechtigkeit) oft grundlegend. Wenn diese Werte relativiert werden, könnte dies zu einer Erosion des sozialen Zusammenhalts und der Rechtsstaatlichkeit führen.
  3. Polarisierung: Relativismus kann auch zur Polarisierung der Gesellschaft beitragen. Wenn jeder seine eigene „Wahrheit“ hat, kann dies zu einem Mangel an Verständnis und Kompromissbereitschaft führen, wodurch das Funktionieren einer Demokratie beeinträchtigt werden kann.
  4. Schwächung gemeinsamer Werte: Demokratie lebt von gemeinsamen Prinzipien wie Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit. Ein zu starker moralischer Relativismus kann diese gemeinsamen Werte infrage stellen oder relativieren, was die demokratische Stabilität gefährden kann. Wenn z.B. Menschenrechte als blosse kulturelle Konstrukte ohne universelle Gültigkeit angesehen werden, wird der Schutz von Minderheiten und Schwachen schwieriger.
  5. Relativismus und Populismus: In einer Gesellschaft, die stark relativistisch geprägt ist, können populistische Bewegungen leichter Fuß fassen, indem sie einfache „Wahrheiten“ oder „alternative Fakten“ propagieren, die auf subjektiven oder ideologischen Sichtweisen beruhen. Dies kann die demokratische Debattenkultur untergraben und Polarisierung fördern.
  6. Entwertung von Expertise: Epistemologischer Relativismus kann dazu führen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse oder Fachwissen weniger anerkannt werden, weil alle Meinungen als gleichwertig gelten. Dies erschwert evidenzbasierte Politik, die für nachhaltige und gerechte Entscheidungen notwendig ist.

Es ist wichtig, diese Aspekte des Relativismus im Kontext von Diskussionen über Demokratie und gesellschaftliche Werte zu beachten.

Relativistische Einstellungen haben an Einfluss gewonnen

Der Relativismus hat in den letzten Jahrzehnten an Einfluss gewonnen, vor allem im kulturellen, moralischen und epistemologischen Bereich.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und insbesondere in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde moralischer Relativismus zu einem bedeutenden Einflussfaktor in den kulturellen Revolutionen, die Gesellschaften tiefgreifend veränderten. Diese Entwicklung führte dazu, dass traditionelle, absolutistische Werte zunehmend hinterfragt wurden und sich eine grössere Offenheit für unterschiedliche Perspektiven entwickelte.

Der kulturelle Relativismus, der besagt, dass Werte und Normen kulturell bedingt sind, hat sich vor allem in den Sozialwissenschaften und der Anthropologie durchgesetzt und wird heute breit diskutiert, auch wenn nicht alle Formen des Relativismus uneingeschränkt akzeptiert werden.

Diese Zunahme des Relativismus hängt eng mit der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung zusammen, die sich von festen, universellen Wahrheiten hin zu einer Vielfalt von Sichtweisen bewegt – ein Prozess, der häufig mit dem Übergang von der „absoluten“ zur „relativen“ Denkweise nach der Aufklärung beschrieben wird

Zudem wird Relativismus oft mit liberalen Ideologien verbunden, die Pluralismus und individuelle Freiheit betonen, was politischen und sozialen Diskursen eine neue Dynamik verleiht.

Insbesondere im akademischen Milieu haben auch postmoderne Theorien eine wichtige Rolle für die Verbreitung relativistischer Positionen gespielt

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Einfluss des Relativismus in den letzten Jahrzehnten durch gesellschaftliche Umbrüche, wissenschaftliche Erkenntnisse, kulturelle Globalisierung und postmoderne Strömungen gewachsen ist. Er kann zwar dabei helfen, Vielfalt und unterschiedliche Lebensweisen anzuerkennen und zu verstehen, bringt aber auch wie schon beschrieben viele Probleme mit sich.

Relativismus in der politischen Praxis

Der Relativismus bestärkt viele Menschen darin, sich nicht mehr für ihre Positionen

und Meinungen rechtfertigen zu müssen. Sie vertreten dann häufig nur noch das, was ihnen selbst nützt – und können einfach sagen: Ich habe meine eigene Position, und die geht dich

nichts an. Jeder könne schlussendlich seine eigene Wahrheit haben. Und wenn jeder legitimerweise seine eigene Wahrheit haben könne, müsse man ja nicht mehr miteinander über Politik sprechen. Dieser Relativismus ist daher antipolitisch und zersetzt demokratische Gesellschaften. Er vergrössert Differenzen und vertieft Spaltungen. Gespräche

zwischen verschiedenen Milieus finden teilweise gar nicht mehr statt. Wozu soll man auch noch miteinander diskutieren, wenn man ohnehin davon ausgeht, dass jeder seine eigene Wahrheit hat und sich dafür auch nicht rechtfertigen muss, wenn er das nicht will?

Relativismus kommt oft in Verbindung mit Subjektivismus vor. Während der Relativismus behauptet, dass Wahrheit oder moralische Werte relativ zu einem bestimmten Rahmen (z. B. Kultur, Sprache, historische Epoche) sind und deshalb universell gültige Normen oder Wahrheiten nicht existieren, geht der Subjektivismus noch einen Schritt weiter. Er behauptet, dass Wahrheit oder Werte vom individuellen Subjekt, also von der persönlichen Wahrnehmung, den Gefühlen oder Überzeugungen einer Person abhängen.

Der Relativismus bezieht sich oft auf kollektive Rahmenbedingungen (z. B. kultureller Relativismus), während der Subjektivismus die individuelle Perspektive betont. Beide Positionen lehnen absolute Wahrheiten ab und betonen die Abhängigkeit von Perspektiven – sei es kollektiv oder individuell.

Es gibt also sowohl im Relativismus als auch im Subjektivismus keine universell gültigen Normen oder Wahrheiten. Dadurch werden Argumente als kontextabhängig gesehen – sie gelten nur innerhalb bestimmter Rahmenbedingungen (Kultur, Individuum, Situation). Das bedeutet nicht, dass Argumente vollständig unwichtig werden, aber ihre Geltung ist sehr begrenzt, wodurch sie ihre „Würde“ verlieren.

Nils Heisterhagen schreibt dazu in seinem Buch „Verantwortung“:

„Eine neue Begründungslosigkeit ist kaum mehr zu leugnen. Man macht sich weniger Mühe, Argumente zu präsentieren und sie zu verdeutlichen. Solange online, etwa bei Twitter und Facebook, Menschen die Beiträge liken, in denen man nur seine Empfindungen und Gefühle mitteilt, wird das von manchen schon als ein ausreichendes Eingeständnis dafür wahrgenommen, dass die eigenen Empfindungen und Gefühle ja ihre Berechtigung haben – denn sie werden ja unterstützt. Und wenn jemand etwas unterstützt, muss er ja eine Legitimität und einen Grund darin sehen – auch wenn ihm dafür keine Begründung geliefert wird.

Wozu also noch argumentieren, wenn es für Zustimmung nicht mehr wichtig ist? Wozu die Mühe machen, ein Argument zu durchdenken und klug zu formulieren, wenn man nur geschickt die Emotionen hochkochen lassen muss, um möglichst viele Likes zu ernten – die dann als Mass der Zustimmung gewertet werden? Wenn laut schreien oft effektiver ist als das ruhige Argument, wozu sich dann noch mit Denken quälen und mit Differenzieren plagen? Und wenn subjektive Betroffenheit manchmal wirkungsvoller durchschlägt als eiskalte Fakten, wozu dann noch Fakten sammeln?“ (Seite 119)

Relativismus schadet der Bildung

Für die Bildung ist der Relativismus eine grosse Herausforderung. Markus Tiedemann schreibt dazu in seinem Buch «Post-Aufklärungs-Gesellschaft»:

«Humanismus und Aufklärung versuchen Emanzipation durch die Schulung von Urteilskraft zu befördern. Bildungssubjekte sollen in die Lage versetzt werden, sich kritisch und kategoriengeleitet zu X ins Verhältnis setzen zu können. Konstruktivismus und Relativismus entziehen diesem Projekt den Boden, wenn sie Kategorien wie “wahr oder falsch, begründet oder nicht begründet, wirklich oder illusorisch, wissenschaftlich oder ideologisch, legitim oder missbräuchlich“ vernachlässigen oder gar zu überwinden trachten….

Streng genommen wird auf diese Weise jede Vermittlung von Wissen unmöglich gemacht….

Leider sind in zahlreichen akademischen Diskursen, aber auch in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern Dekonstruktivismus und Relativismus zu einer kruden Ideologie mit paradoxem Anspruch auf Allgemeingültigkeit mutiert.» (Seite 101/103)

Fazit:

Der Relativismus hat Stärken, zum Beispiel wenn er im Gegensatz zu Absolutismus und Dogmatismus Freiraum verschafft gegen starre Prinzipien. Er kann aber auch Demokratie und Aufklärung unterminieren und muss deshalb immer wieder kritisch eingehegt werden.

Quellen:

«Verantwortung – Für einen neuen politischen Gemeinsinn in Zeiten des Wandels», von Nils Heisterhagen, Dietz Verlag 2020.

«Existenzieller Republikanismus – ein Plädoyer für die Freiheit», von Nils Heisterhagen, transcript Verlag 2017.

«Post-Aufklärungs-Gesellschaft – Was wir verlieren und was uns bevorsteht», von Markus Tiedemann, Brill/Mentis Verlag 2023. Siehe dazu auch: Buchbeschreibung und Zitate.

Recherche unterstützt durch ECOSIA AI und Le Chat Mistral AI.

Siehe auch:

Aufklärung – ihre Bedeutung für die Entwicklung der Demokratie

Wahrheit – ihre Bedeutung für eine gesunde Demokratie

Universalismus – seine Bedeutung für die Demokratie

Polarisierung – ihre Auswirkung auf Demokratien

Debattenkultur in der Demokratie

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