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Trumps unvergleichliche Schamlosigkeit

24. Januar 2026

SRF hat ein Interview veröffentlicht mit dem Politologen Jan-Werner Müller, der an der Universität von Princeton (USA) lehrt. Dabei ging es unter anderem um Korruption und die unvergleichbare Schamlosigkeit des US-Präsidenten.

Jan-Werner Müller sagt:

«Das Ausmass dessen, was Trump macht, seine Schamlosigkeit, ist unvergleichbar. Er nutzt etwa den Justizapparat direkt und systematisch um diejenigen, die ihm gefährlich werden könnten, auszuschalten. Das hat es in dieser Weise noch nie gegeben. Auch das schiere Ausmass der Selbstbereicherung im Amt hat es in dieser Form auch noch nie gegeben.»

Auf die Frage, ob es in den USA Kräfte gebe, die diese Entwicklung behindern, führt Jan-Werner Müller aus:

«Gerichte entscheiden in manchen Fällen immer noch gegen Trump. Das ist nicht trivial und ein Unterschied etwa zu Ungarn. Und es gibt viel öffentliche Empörung. Aber weil Trump so schamlos ist und sich diese Schamlosigkeit unter seinen Leuten immer weiter ausbreitet, ist es so schwierig, sie der Heuchelei zu überführen. Deswegen greifen gewisse Mechanismen, die vielleicht vor einigen Jahren noch gegriffen hätten, nicht mehr. Trotzdem ist noch keineswegs ”Game over”.»

Quelle:

Korrupte Regierung USA? – «Trumps Schamlosigkeit ist unvergleichbar» (SRF)

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, weshalb Trump mit seiner absoluten Schamlosigkeit durchkommt und warum sie ihm bei seinen Wählerinnen und Wählern offenbar kaum schadet.

Dazu dürften mehrere Faktoren beitragen.

Wir leben in einer Zeit, in der traditionelle Normen und Autoritäten an Einfluss verloren haben. Gleichzeitig gewinnen individuelle Freiheit, Provokation und der Bruch mit Konventionen an Prestige – nicht nur in der Politik, sondern ebenso in der Popkultur oder Wirtschaft. Für manche Menschen ist Schamlosigkeit ein Zeichen von Stärke, für andere ein notwendiger Gegenentwurf zu einer als heuchlerisch empfundenen „politischen Korrektheit“. Trump wird in diesem Kontext als authentisch wahrgenommen, weil er sagt was er denkt und tut, was er will. Das passt zu Trumps Wählerbasis, die sich oft als Gegenbewegung zu einer „liberalen Elite“ sieht, die sie als moralisierend und bevormundend empfindet.

Durch die ständige Präsenz von Skandalen und die schnelle Nachrichtenflut verlieren einzelne Vorwürfe zudem an Wirkung. Was früher ein Karriereende bedeutet hätte, wird heute häufig als „Lärm“ oder „Hexenjagd“ abgetan. Die Schwelle für Empörung steigt, und viele Wählerinnen und Wähler gewöhnen sich an ein bestimmtes Niveau an Regelverstössen.

Darüber hinaus misstrauen viele Menschen traditionellen Medien, der Justiz und anderen Institutionen, die Trumps Verhalten kritisieren. Wenn diese kritischen Instanzen als „voreingenommen“ oder „korrupt“ wahrgenommen werden, stärkt das sogar Trumps Position: Seine Anhänger sehen ihn dann als Opfer eines „Establishments“, das ihn zu Fall bringen will.

In einer stark polarisierten Gesellschaft wird Kritik an Trumps Verhalten in seinem Lager oft als Angriff auf die eigene Gruppe wahrgenommen. Loyalität zur „eigenen Seite“ steht dann über moralischen Bedenken – ein Phänomen, das man auch bei anderen politischen Lagern beobachten kann. Mehr dazu: Tribalismus, digitaler: Problematik des Stammesdenken

Siehe auch:

Politische Korrektheit (Political correctness)

Polarisierung – ihre Auswirkung auf Demokratien

Kleptokratie – Merkmale, Beispiele und Bekämpfung

Nepotismus / Vetternwirtschaft: Nutzen privat – Schaden dem Staat

Korruption als Feind der Demokratie

Kategorie: USA / Trump Stichworte: Demokratie, Demokratien, Elite, Jan-Werner Mèller, Justiz, Kleptokratie, Korruption, Medien, Nepotismus, Polarisierung, Political Correctness, politische Korrektheit, Schamlosigkeit, Stammesdenken, Tribalismus, Trump, Ungarn, Universität, USA, Vetternwirtschaft

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