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Wut als Einflussfaktor in Demokratien

20. März 2026

Wut ist ein mächtiger Faktor in der Demokratie – sie kann sowohl destruktiv als auch produktiv wirken, je nachdem, wie sie aufgegriffen und kanalisiert wird. Die Herausforderung liegt darin, Wut nicht zu verdrängen, sondern sie in demokratische Prozesse zu integrieren, ohne dass sie die Grundlagen des Zusammenlebens zerstört.

Studien zeigen, dass Wut eine zentrale Emotion für politisches Verhalten ist. Sie mobilisiert kurzfristig, kann aber auch zu Radikalisierung führen, wenn sie nicht demokratisch kanalisiert wird. Wut als starke Emotion sollte nicht den Demokratiefeinden überlassen werden, sondern als Antrieb für konstruktive demokratische Auseinandersetzungen dienen.

Agitatoren und Demagogen erzeugen und bewirtschaften Wut – oft mittels Falschmeldungen, aber manchmal auch auf der Basis von realen Missständen. Sie sind aber nicht an Lösungen interessiert, denn Lösungen würden ihnen quasi die Geschäftsgrundlage entziehen.

Wut ist deshalb nicht nur eine individuelle Emotion. Sie kann gesellschaftliche Prozesse antreiben, die die Demokratie destabilisieren können, etwa wenn sie rationale Debatten verdrängt. Sie kann aber auch verhärtete politische Strukturen in Bewegung versetzen, indem sie mobilisierend wirkt, politisches Engagement fördert und Ungerechtigkeiten sichtbar macht.

Der französische Historiker und Demokratietheoretiker Pierre Rosanvallon betont, dass Wut oft aus dem Gefühl der Ausgrenzung und des Vertrauensverlusts in politische Institutionen entsteht. Um diese Wut aufzufangen und in demokratische Kanäle zu giessen, braucht es politische Lösungen, um Menschen, die sich im politischen System nicht mehr repräsentiert fühlen, wieder an Bord zu holen.

Wut demokratisch kultivieren

Die Aufgabe, politische Wut demokratisch zu kultivieren, liegt sowohl beim politischen System als auch bei allen Bürgerinnen und Bürgern:

☛ Das politische System wirkt destruktiver Wut entgegen, wenn es den Bürgerinnen und Bürgern niederschwellige Einflussmöglichkeiten bietet (zum Beispiel durch Initiativen und Referenden) und möglichst transparent handelt. Es spricht zudem viel dafür, dass sich weniger Wut anstaut, wenn Entscheidungen wo immer möglich nah beim Geschehen gefällt werden – in Gemeinden und Kantonen – und nicht in einer fernen Zentrale (wie zum Beispiel im zentralistischen Frankreich).

Siehe dazu: Föderalismus als Kernelement der Schweiz

☛ Parteien, Politikerinnen und Politiker sind verantwortlich für eine Debattenkultur, die destruktiver Wut den Boden entzieht. Ein wichtiger Punkt ist dabei, politische Konkurrenten, sofern sie die Verfassung achten, nicht als Feinde, sondern als Gegner zu betrachten. Siehe dazu:

Debattenkultur in der Demokratie

Zum Unterschied zwischen Gegnerschaft und Feindschaft

Parteien sind unverzichtbar für die Demokratie

Verantwortung für Demokratie

☛ Für Aktivistinnen und Aktivisten ist Wut oft ein starker Treiber. Entgleist sie, kann das den Anliegen dieser Gruppen schaden. Einem ausschliesslich wutgetriebenen Aktivismus ist deshalb ein reflektierter Aktivismus vorzuziehen. Der brasilianische Befreiungspädagoge Paulo Freire hat gefordert, dass Aktion und Reflexion Hand in Hand gehen müssen. So kann ein «wutblinder» Aktionismus eingehegt werden. Siehe dazu:

Paulo Freire: Aktion und Reflexion müssen Hand in Hand gehen

Aktivismus – positive und negative Einflüsse auf die Demokratie

☛ Auch alle Bürgerinnen und Bürger sind gefragt, wenn es um die Kultivierung politischer Wut geht. Ein Zitat des griechischen Philosophen Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) aus der Nikomachischen Ethik kann dabei als Leitmotiv dienen:

«Jeder kann wütend werden, das ist einfach. Aber wütend auf den Richtigen zu sein, im richtigen Maß, zur richtigen Zeit, zum richtigen Zweck und auf die richtige Art – das ist schwer.»

Konkret könnte das zum Beispiel heissen:

  • Keine pauschalen Feindbilder bewirtschaften, sondern Kritik immer konkret und mit Argumenten unterlegt anbringen. Nicht nur einseitig das Gegenlager kritisieren, sondern auch problematische Aspekte im eignen Lager benennen. Diese Grundhaltungen wirken überzogener Polarisierung entgegen. Siehe dazu: Polarisierung – ihre Auswirkung auf Demokratien
  • Sich dem Stammesdenken entziehen, das als wahr nur anerkennt, was zum einen Stamm passt. Siehe dazu: Tribalismus, digitaler: Problematik des Stammesdenken

☛ Social-Media-Kanäle bewirtschaften politische Wut mit Hilfe ihrer Algorithmen. Nutzerinnen und Nutzer liken, kommentieren und teilen wütende Posts deutlich häufiger als sachliche Beiträge. Der Algorithmus bewertet Posts mit vielen Interaktionen als nützlich, weil dadurch Nutzer länger auf der Plattform bleiben und ihnen dadurch mehr Werbung gezeigt werden kann. Wütende Posts werden deshalb viel mehr Menschen gezeigt. Für dieses Problem müssen Demokratien Lösungen finden. Algorithmen sind für Forschungszwecke offenzulegen. Wut-fördernde Algorithmen sind zu verbieten. Sie verzerren den demokratischen Diskurs und destabilisieren die Demokratie.

Fazit: Im Umgang mit Wut in der Politik gibt es auf allen Ebenen viel zu tun.

Quellen:

Risiken der Demokratie: „Wut und Ohnmacht“ (Die Furche)

Gesucht wird eine demokratische Emotionskultur: Die Wut wechselt die Seiten (Neue Gesellschaft | Frankfurter Hefte)

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