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Tiefpunkt: Wissenschaftler verteidigen Genitalverstümmelung

19. Februar 2026

In der wissenschaftlichen Fachzeitschrift «Journal of Medical Ethics» haben 26 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weibliche Genitalverstümmelung verteidigt. Das ist kein Zufall, sondern das Resultat einer langjährigen Beeinflussung vieler Wissenschaftsbereiche durch postkoloniale Theorien und Gender Studies.  Diese Infiltrierung der Wissenschaft durch Ideologien aus dem Kontext der Identitätspolitik beschädigt nicht nur wissenschaftliches Denken, sie wirkt sich durch Unterminierung des Universalismus auch schädlich aus auf Gesellschaft und Demokratie. 

Genitalverstümmelung als schützenswerte kulturelle Praxis

Die Autoren stilisieren Genitalverstümmelung zur schützenswerten kulturellen Praxis. Die Forderung nach einem Verbot der weiblichen Genitalverstümmelung sei rassistisch und ungerecht, schreiben die Anthropologen, Ethnologen, Psychologen und Soziologen in der Fachzeitschrift, die zum renommierten «British Medical Journal» gehört.

Man solle nicht von Genitalverstümmelung sprechen, sondern von «weiblichen Genitalpraktiken», um der «kulturellen Komplexität» gerecht zu werden.

Die Bezeichnung «Genitalverstümmelung» (Female Genital Mutilation, FGM) wurde von Aktivistinnen und Aktivisten geprägt, um die Tragweite des Eingriffs nachvollziehbar zu machen. In den 1990er Jahren setzte sich der Begriff «FGM» international durch, der auch von der Weltgesundheitsorganisation WHO verwendet wird. Allerdings gibt es Betroffene, die diese Begriffsverwendung ablehnen, weil sie sich vom Bild der «verstümmelten Frau» stigmatisiert fühlen. Sie ziehen deswegen die neutralere Form «Beschneidung» vor. Diese Bezeichnung wird jedoch wiederum von anderen kritisiert, da sie die Praktiken von FGM verharmlosen würde.

Der Ausdruck «Genitalpraktiken», den die Autoren dieses Beitrags empfehlen, ist läuft aber sehr deutlich auf eine Verharmlosung hinaus.

Laut den Wissenschaftlern erfahren diese Genitalpraktiken «nur deshalb so viel Ablehnung, weil sie hauptsächlich in afrikanischen Ländern» vorkommen. Dass sich im «Globalen Norden» immer mehr Frauen «Designer-Vaginas» operieren liessen, werde ignoriert, obwohl das eine «ähnliche Praktik» sei.

Dieser Vergleich ist schockierend dumm. Auf der einen Seite haben wir erwachsene Frauen, die sich informiert und aus freiem Willen einem Eingriff unterziehen, der mit sterilen Instrumenten und mit Anästhesie durchgeführt wird. Auf der anderen Seite haben wir in der Regel Mädchen im Alter zwischen 0 und 15 Jahren, die nicht oder falsch über den Eingriff informiert sind, keine freie Einwilligung in «Genitalverstümmelung» geben können, mit untauglichen, unsterilen Instrumenten wie Rasierklingen traktiert werden und diese Tortur ohne Betäubung erleiden.

Wie kann man da als Wissenschaftlerin und Wissenschaftler von einer «ähnlichen Praktik» schreiben – und noch in den Spiegel schauen.

Und wenn man Genitalverstümmelung als schützenswerte kulturelle Praxis in Schutz nimmt – wo hört das auf? Sind Zwangsehen auch eine schützenswerte kulturelle Praxis? Ehrenmorde? Steinigungen?

Verharmlosung der Folgen

Die Forschung von Gynäkologen und anderen habe gezeigt, dass mit solchen „Genitalpraktiken“ behandelte Frauen in der Regel keine Einschränkungen ihrer sexuellen Lust erführen, schreiben die Autoren. Zudem seinen die medizinischen Berichte über die stark erhöhte Müttersterblichkeit und Komplikationsrate bei Geburt übertrieben und nicht wissenschaftlich erwiesen. Quellenangaben für diese Behauptungen fehlen, obwohl die Autoren an anderer Stelle in ihrem Artikel eine stärker auf Evidenz basierte Diskussion fordern.

Körperliche und seelische Folgen von Genitalverstümmelung treten nicht bei allen betroffenen Mädchen und Frauen gleichermassen auf. Beispielsweise spielen der Schweregrad der Genitalbeschneidung, das Beschneidungsalter sowie die Umstände (z.B. Hygiene) eine wichtige Rolle. Dass die körperlichen und seelischen Spätfolgen und möglichen Komplikationen aber sehr erheblich und vielfältig sein können ist gut belegt. Das zeigte erneut eine gross angelegte Metastudie der WHO.

Universelle Menschenrechte – kein Thema mehr?

Dieser Beitrag im «Journal of Medical Ethics»  ist ein gutes Beispiel, um den Unterschied zwischen Universalismus und Identitätspolitik zu illustrieren.

Ein Universalist würde auf dem Fundament der universalen Menschenrechte die körperliche Unversehrtheit verteidigen. Genitalverstümmelung ist eine eklatante Verletzung des Rechts auf körperlicher Unversehrtheit und daher radikal abzulehnen und zu bekämpfen.

Identitätspolitisch eingefärbte Ideologien aus dem Kontext von postkolonialen Theorien und Gender Studies sind mit einem Kulturrelativismus verbunden, was dazu führt, dass Genitalverstümmelung zum schützenswerten Kulturgut wird.

Zum Unterschied zwischen Universalismus und Identitätspolitik:

Identitätspolitik versus Universalismus. 

Für oder gegen Genitalverstümmelung?

Die Autorinnen und Autoren dieses wissenschaftlichen Pamphlets sind allesamt an westlichen akademischen Einrichtungen tätig oder stehen diesen nahe.

Sie kritisieren westliche Urteile über afrikanische Praktiken, merken aber offenbar nicht, dass sie selber tun, was sie kritisieren. Dabei sind sie sich jedoch nicht einig in der Frage, ob Genitalverstümmelung positiv oder negativ zu bewerten ist.

Die Anthropologin Fuambai Ahmadu sowie eine Reihe weiterer Autoren, darunter Janice Boddy und Richard A. Shweder, setzen sich seit Jahrzehnten im akademischen Diskurs dafür ein, Genitalverstümmelung als akzeptable, ehrwürdige Praxis darzustellen. Dabei unterstreichen sie die kulturelle Bedeutung dieses „Rituals“, das Identität und Gemeinschaftsgefühl fördere sowie Frauen in patriarchalischen Gesellschaften emotional stärke und ihnen Kontrolle über ihre Körper zurückgebe.

Fuambai Ahmadu wird im Beitrag als Erstautorin aufgeführt. Sie wuchs in den USA auf, wo sie auch ihre akademische Karriere begann, und erwarb ihren Doktortitel an der London School of Economics. Erst seit einigen Jahren lehrt sie in Sierra Leone an einer Universität.

Dieser unsägliche Beitrag im «Journal of Medical Ethics» ist keine Premiere. Die Verharmlosung und Verteidigung der Genitalverstümmelung hat im Kontext von Postkolonialismus und Gender Studies eine längere Tradition. Es stellt sich sehr ernsthaft die Frage, ob es noch angebracht ist, hier von Wissenschaft zu sprechen, oder ob wir es vielmehr mit Ideologie zu tun haben.

Quellen:

Originalartikel im «Journal of Medical Ethics» (14 September 2025. doi: 10.1136/jme-2025-110961)

Wissenschaftler rechtfertigen weibliche Genitalverstümmelung – eine Rezension (Humanistischer Pressedienst; detaillierte Kritik)

Wenn Wissenschaftler das brutale Ritual der weiblichen Genitalverstümmelung verteidigen (WELT+)   Ohne Paywall hier.

Debatte um Genitalverstümmelung: Von allen guten Feministinnen verlassen (taz)

Vergleich mit «Designer-Vaginas»: Ein wokes Plädoyer für die weibliche Genital­verstümmelung         (Tages-Anzeiger, Abo)

Verstümmelung als Kulturgut: Forscher relativieren Genitalbeschneidung an Mädchen (NZZ)                   Ohne Paywall hier.

Wie ein Fachjournal weibliche Genitalverstümmelung verharmlost (jungle.world)

Ausserdem als Hintergrund zum Thema:

Postkolonialismus: Ideologie und Aktivismus erobern Universitäten

Identitätspolitik unterminiert Wissenschaft

Buchtipp: „Zynische Theorien:
Wie aktivistische Wissenschaft Race, Gender und Identität über alles stellt – und warum das niemandem nützt“, von Helen Pluckrose und James Lindsay, C. H. Beck Verlag 2022. Siehe dazu auch: Buchbesprechung und Zitate.

Infoportal: maedchenbeschneidung.ch

Kategorie: Identitätspolitik Stichworte: Demokratie, Ehrenmorde, FGM, Genitalverstümmelung, Gesellschaft, Identittspolitik, Ideologien, Kulturrelativismus, Menschenrechte, Postkolonialismus, Steinigungen, Universalismus, universelle Menschenrechte, Universität, WHO, Wissenschaft, Zwangsehen

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