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Demokratie-Wissen von A-Z

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Linksextremismus als unterschätzte Gefahr

22. November 2025

Über Rechtsextremismus wird intensiv geforscht, über das Extrem auf der anderen Seite dagegen kaum. Doch das könnte sich allerdings bald ändern. Denn vom Linksextremismus droht mehr Gewalt als bisher.

Linksextremismus ist ein Stiefkind der Extremismusforschung. Verglichen mit Rechtsextremismus und Islamismus existieren nur relativ wenige wissenschaftliche Publikationen. Kaum ein Wissenschaftler widmet sich dem Thema schwerpunktmässig. Dafür gibt es nachvollziehbare Begründungen. Vom Rechtsextremismus ging in der Vergangenheit in Deutschland viel grösserer Schaden aus als vom Linksextremismus. Und verglichen mit dem Islamismus gilt der Linksextremismus – zumindest seit dem Ende der RAF – als weniger gefährlich: Die Vorstellung, Gewalt von Linksextremisten richte sich nur gegen Sachen, nicht jedoch gegen Menschen, ist nach wie vor weit verbreitet.

Doch die geringe Beachtung des Linksextremismus in der Forschung könnte sich in Zukunft ändern. Seit Jahren registriert der Verfassungsschutz in Deutschland einen kontinuierlichen Zuwachs in der linksextremistischen Szene und auch die Zahl der Straftaten ist deutlich gestiegen. Und das „gewaltorientierte“ Spektrum umfasst laut Verfassungsschutz weiterhin über 10.000 Personen. Darüber hinaus warnen die Behörden vor einer Radikalisierung kleiner Netzwerke und von Einzeltätern – ein Phänomen, das ebenso in anderen europäischen Ländern zu beobachten ist.

Der Zuwachs in der linksextremistischen Szene ist nicht überraschend. In den westlichen Demokratien spitzten sich gesellschaftliche und politische Konflikte in den vergangenen Jahren stark zu, wovon alle Formen des Extremismus „profitiert“ haben – auch der Linksextremismus. Gleichzeitig hat sich der generelle Diskurs in vielen Ländern nach rechts verschoben. Für viele Linke ist diese Entwicklung eine existenzielle Bedrohung, die auch die Mobilisierung in den Linksextremismus fördert.

Traditioneller Linksextremismus: vor allem Anarchisten und Kommunisten

Die linksextremistische Szene bestand traditionell hauptsächlich aus Anarchisten und Kommunisten, die beide die Vision einer totalitär-egalitären Gesellschaft verfolgen – wenn auch auf unterschiedliche Weise. Doch speziell in den letzten Jahren sind die linksextremen Milieus prägnant vielschichtiger geworden:

Ein wiedererstarkter Anti-Imperialismus sucht die Nähe zu Islamisten – speziell beim Thema Palästina; identitätspolitische Linke richten ihren Fokus auf die Unterdrückung sexueller Minderheiten; und ökologisch ausgerichtete „Kapitalismuskritiker“ sehen den Hauptfeind in Wachstum und Technologie.

Es ist deshalb dringend nötig, den Linksextremismus auch in seinen neueren Ausprägungen wieder stärker in den Blick zu nehmen. Die beiden Extremismusforscher Peter R. Neumann und Jose Pedro Zuquete beschreiben in der „WELT“ vier Szenarien, in denen Linksextremismus zu politisch motivierter Gewalt und sogar Terrorismus führen könnte – oder dies schon getan hat.

Szenario Nr. 1: Antifa-Gruppen

Eine der grössten Gefahren im Linksextremismus geht von autonomen Gruppen aus, die sich oft als „Antifa“ bezeichnen. Sie treten als lose miteinander verbundene Netzwerke auf, die seit Jahrzehnten überall in Deutschland – und auch international – aktiv sind. Bei der «Antifa» handelt es sich zwar nicht um eine klassische Organisation. Die Antifa-Anhänger teilen aber eine gemeinsame Identität, stehen miteinander in Kontakt und greifen auf ähnliche Taktiken zurück.

Das erklärte Ziel der «Antifa» besteht darin, einem Wiedererstarken des Faschismus früh und entschlossen entgegenzutreten – und dies fast immer durch offene Konfrontation. Dieses Ziel glaubt die «Antifa» zu erreichen durch Angriffe auf als „faschistisch“ eingestufte Personen und Parteibüros, durch Störaktionen bei Veranstaltungen oder durch Auftritte als „schwarzer Block“ bei Demos „gegen rechts“.

Die Faschismus-Definition der «Antifa» ist dabei so weit gefasst, dass auch Polizisten, Beamte und konservative Politiker regelmässig zu Opfern werden, wodurch die Aktivisten ihre antidemokratische Haltung demonstrieren. In Deutschland rückte in den letzten Jahren zunehmend die AfD in den Fokus der «Antifa». Sie ist seit dem Jahr 2015 mit grossem Abstand am häufigsten Ziel von politisch motivierten Angriffen der «Antifa» – sowohl bei Sachbeschädigungen (zum Beispiel an Parteibüros oder Fahrzeugen) als auch bei körperlichen Übergriffen auf Parteivertreter und Wahlkämpfer.

In Zukunft könnte die Gewaltbereitschaft aus diesem Bereich des Linksextremismus nochmals deutlich ansteigen, insbesondere falls der Zuspruch für die AfD anwächst und die Chancen der Partei auf eine Regierungsbeteiligung wächst. Aus Sicht der «Antifa» wäre dies nicht weniger als eine faschistische Machtergreifung — was eine weitere Radikalisierung im Linksextremismus bewirken könnte.

Szenario Nr. 2: Anti-Imperialismus und Allianz mit Islamismus

Eine weitere aktuelle Entwicklung ist die steigende Radikalisierung im Verlauf des Gaza-Konflikts. Anti-Imperialisten sehen Israel als „weisse Siedlerkolonie“, deren Zweck darin besteht, den Nahen Osten im Auftrag des Westens zu beherrschen. Zionismus betrachten sie als Form des Rassismus, Palästinenser als unterdrücktes Volk. Den Kampf gegen die „Unterdrücker“, also gegen (jüdische) Israelis, interpretieren sie nicht als Terrorismus, sondern als legitimen Widerstand.

Eine wichtige Rolle spielt seit den Hamas-Pogromen vom 7. Oktober 2023 und dem folgenden Gazakrieg der Genozid-Vorwurf, also die Idee, dass Israel im Gazastreifen einen Völkermord gegen die palästinensische Bevölkerung begehe. Der Genozid-Vorwurf trägt massgeblich zur Eskalation bei, weil sich damit praktisch jede Form des „Widerstands“ – bis hin zur Gewalt – rechtfertigen lässt.

In der Folge kam es überall im Westen zu Protesten in bisher unbekanntem Ausmass. Diese Kundgebungen gingen oft mit Sachbeschädigungen, Ausschreitungen gegen die Polizei und zum Teil auch mit Angriffen auf Juden oder vermeintliche Zionisten einher. Und wir sehen bei diesem Thema einen ausgeprägten Manichäismus (Gut-Böse-Spaltung). Es gibt – so einfach ist das – die eindeutig Bösen (Juden/Israel/USA) und die eindeutig und immer während guten Opfer (Palästinenser).

Dabei zeichnet sich eine wachsende Kooperation ab zwischen Anti-Imperialisten aus dem Linksextremismus und islamistischen Gruppen aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft. Diese beiden Lager verfolgen zwar unterschiedliche Ziele, sehen aber in Israel und den USA einen gemeinsamen Feind. Als „Vermittler“ wirken dabei oft linksextreme palästinensische Gruppen – wie beispielsweise die Samidoun, die inzwischen in Deutschland verboten sind und Zugang zu beiden Seiten haben.

Szenario Nr. 3: Kulturkampf um Identitätspolitik

Ein neueres Phänomen im Linksextremismus sind sogenannte „Kulturkämpfe“, die vor allem sozio-kulturelle Themen in den Mittelpunkt stellen. Auf linker Seite lässt sich in diesem Zusammenhang der Aufstieg einer identitätspolitischen, „identitären“ Bewegung beobachten, die oft mit dem englischen Begriff „woke“ (deutsch: „politisch wach“) beschrieben wird. Ursprünglich ging es dieser Bewegung darum, das Bewusstsein für historische Ungerechtigkeiten sowie die Marginalisierung ethnischer und sexueller Minderheiten zu schärfen. Inzwischen haben sich daraus allerdings stark dogmatische Strömungen entwickelt, die westliche Gesellschaften entlang ethnischer und sexueller „Identitäten“ spalten, um Menschen entweder als „Opfer“ oder „Unterdrücker“ zu klassifizieren. Der demokratische Staat – inklusive all seiner Institutionen – ist nach dieser Auffassung von Grund auf rassistisch und sexistisch. Siehe dazu:

Was ist Identitätspolitik?

Besonders zugespitzt hat sich diese kulturpolitische Auseinandersetzung um den «Trans-Aktivismus». Peter R. Neumann und Jose Pedro Zuquete schreiben dazu:

«Zum zentralen „Schlachtfeld“ ist in den letzten Jahren vor allem die Stellung von transsexuellen Personen geworden. Wer die linksidentitäre Agenda bei diesem Thema nicht vollständig teilt, sieht sich aggressiven Angriffen ausgesetzt – von tagelangen „Shitstorms“ in den sozialen Medien bis hin zu Versuchen, die berufliche Existenz zu zerstören. Ein besonders alarmierendes Phänomen ist die sogenannte Transtifa-Szene – ein Netzwerk radikaler Aktivisten, die in der Tradition der Antifa stehen und zu physischen Angriffen auf Gegner aufrufen.»

Siehe dazu:

Identitätspolitik: «Transphobie» als billige Diffamierungsstrategie

Nicht alle Transaktivisten sind zum linksextremen Lager zu zählen, doch sind die Übergänge fliessend. Bemerkenswert ist auf jeden Fall, dass wir hier ein Lager haben, dass für sich maximale Toleranz einfordert, selber gegen Andersdenkende und Abweichler im eigenen Lager aber mit hochgradiger Aggressivität agiert.

Szenario Nr. 4: Die Anti-Kapitalismus-Strömung

Der Anti-Kapitalismus gehört im Unterschied zu den neuen identitätspolitischen „Kulturkämpfen“ seit jeher zum Kern der Linken und prägt auch den Linksextremismus.

Allerdings hat sich die linke Kapitalismuskritik im Laufe der Zeit immer wieder gewandelt.

Beispielsweise verlagerte sich der Fokus der Klimabewegung, die 2018 entstand, mit der Zeit immer stärker auf einen Kampf für „Klimagerechtigkeit“, der hauptsächlich westlich-kapitalistische Staaten ins Visier nahm.

Auch die Anhänger der sogenannten „Degrowth“-Theorien gewannen in den letzten Jahren an Einfluss. Sie betrachten Wirtschaftswachstum – und damit das westliche Wirtschaftsmodell insgesamt – als zentrales Problem.

An solche Strömungen knüpften radikale Gruppen aus dem Linksextremismus wie etwa die „Letzte Generation“ an, die durch illegale Störaktionen mediale Aufmerksamkeit suchten und bekamen.

Die Stossrichtung dieser Bewegungen hat sich spätestens seit der erneuten Machtübernahme Donald Trumps in den USA erneut verändert.

Nun steht im Zentrum der Kapitalismuskritik nicht mehr nur (fossiles) Wachstum, sondern verstärkt auch Technologie – besonders in Form amerikanischer Technologiekonzerne und ihrer superreichen, meist radikal-libertär orientierten Gründer. Diese Entwicklung scheint nahezu alle Strömungen im kapitalismuskritischen Linksextremismus zu einen. Sie ist auch anziehend für klassische Anti-Imperialisten und die Antifa.

Als Folge dieser Entwicklungen kommt es häufiger zu Sabotageakten gegen technologische Infrastruktur, etwa Telekommunikation, Rechenzentren oder die Automarke Tesla.

Gerechtfertigt werden solche Aktionen als Formen des „Widerstands“ gegen den kapitalistischen Zwang zu endlosem Wachstum und eine heraufziehende Bedrohung durch digitale Polizeistaaten.

Solche Strömungen sprechen oft reale Probleme an und kritisieren relevante Punkte – zum Beispiel die Gefahren der Klimaerwärmung oder die Macht der Tech-Konzerne. Der Linksextremismus biegt einfach falsch ab, wenn er undemokratische oder gewaltsame Wege propagiert.

Wenn Linksextremismus Grenzen überschreitet

Die verschiedenen Gruppen und Strömungen im Linksextremismus sind zweifellos stärker geworden. Und sie haben zudem das Potenzial, auch in den kommenden Jahren weiter zu wachsen. Traditionelle Milieus – wie zum Beispiel der Anarchismus – überlappen und verknüpfen sich dabei mehr und mehr mit neuen Strömungen und solchen, die eigentlich aus anderen Extremismus-Bereichen stammen, vor allem mit dem Islamismus. Die gegenwärtig auffällige woke-islamistische Allianz haben Noam Petri & Franziska Sittig eindrücklich beschrieben in ihrem Buch «Die intellektuelle Selbstzerstörung – Wie der Westen seine eigene Zukunft verspielt».

Diese Verknüpfungen und Überlappungen haben dazu geführt, dass die linksextreme Szene weit vielfältiger ist als noch vor einem Jahrzehnt.

Wie in allen anderen Kontexten gilt auch hier, dass man zwischen legitimen Anliegen und ihren extremistischen Ausprägungen unterscheiden muss. So wie der Islam nicht mit Islamismus gleichgesetzt werden sollte und Konservatismus nicht zwangsläufig in Rechtsextremismus mündet, sind auch linke Themen nicht generell illegitim oder extremistisch. Im Gegenteil: Viele dieser Positionen – zum Beispiel der Einsatz für Gleichberechtigung oder gegen die Klimaerwärmung – sind elementarer Bestandteil demokratischer Debatten.

Führen solche Positionen jedoch zur Ablehnung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung oder gar zum Einsatz gewaltsamer Mittel, wird eine Grenze überschritten – ganz egal, wie „gut“, „richtig“ oder „emanzipatorisch“ sie auch sein mögen.

Peter R. Neumann und Jose Pedro Zuquete schreiben dazu:

«Eine intensivere Beobachtung und – wo nötig – entschlossene Bekämpfung des Linksextremismus wäre daher keine politisch motivierte Hexenjagd, sondern notwendige Reaktion auf die sich rapide wandelnde gesellschaftliche Lage. Eines ist jedenfalls klar: Die Zeiten, in denen Linksextremismus in Forschung, öffentlicher Debatte und staatlichem Handeln ein „Stiefkind“ war, sind mit großer Wahrscheinlichkeit vorbei.»

Quelle:

„Linksextremismus, die unterschätzte Gefahr“ (WELT)

Siehe auch:

► Weitere Extremismusvarianten:

Rechtsextremismus als Gefahr für demokratische Gesellschaften

Islamismus als antidemokratische Ideologie

► Buchtipp:

«Das Sterben der Demokratie – Der Plan der Rechtspopulisten in Europa und den USA», von Peter R. Neumann & Richard C. Schneider, Rowohlt Verlag 2025.  Buchbesprechung und Zitate.

► Feinde der Demokratie – zwölf Punkte und eine Aufforderung

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