US-Präsident Donald Trump rühmt sich, der beste Dealmaker zu sein. Im Umgang mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine zeigt er diese Qualitäten gerade gar nicht.
Berthold Kohler schreibt dazu in der FAZ:
«Noch vor Beginn der Verhandlungen hat der angeblich beste Dealmaker der Welt dem Kreml über die Köpfe der Ukrainer hinweg zugestanden, die besetzten Gebiete behalten zu können. Auch die NATO-Mitgliedschaft, die der Ukraine jedenfalls langfristig zugesagt war, nahm Trump schon vorab vom Verhandlungstisch. Die Europäer sollen künftig den „überwältigenden“ Teil der Hilfe für die Ukraine leisten, was im Umkehrschluss bedeutet, dass der bisher größte Unterstützer das nicht mehr tun will, offenbar selbst dann nicht, wenn die Ukrainer dafür mit ihren Bodenschätzen zahlen.»
Dealmaker Trump gibt also alle Verhandlungstrumpfe schon vorab aus der Hand. Zur Kunst, einen guten Deal zu machen, gehört auch, sich nicht in die Karten blicken zu lassen.
Trump ist nicht der beste Dealmaker, sondern der beste Deal-Verkäufer
Zu Trumps Kernkompetenz gehörte schon immer, den Eindruck zu vermeiden, er könnte ein Verlierer sein. «Trump muss immer gewinnen, selbst wenn er verloren hat», schreibt Frank Lübberding in der WELT. Trumps wichtigste Fähigkeit war schon immer:
«Jeden Deal als den besten Deal der Welt zu verkaufen, selbst wenn dort nicht mehr zu finden war als heiße Luft. Oder, wie es Trump später einmal formulierte: „Du kannst noch so brutal und schonungslos und sonst noch was sein, aber wenn du viel verlierst, dann folgt dir niemand mehr, weil sie dich als Loser betrachten.“»
Trump ist ein Deal-Verkäufer. Als hochgradiger Egomane verkauft er Deals hauptsächlich, um sich selbst als Genie zu präsentieren. Und das sind kurzfristige Momentaufnahmen. Lösen sich die Deals in Luft auf, ist Trump schon wieder an einem anderen Thema. Ein «bester Dealmaker» stellt sich nicht so ins Zentrum. Ihm geht es auch um langfristige Wirkungen und die Stabilität von Deals. Dafür aber ist die Aufmerksamkeitsspanne von Trump viel zu kurz. Dem «Dealmaker» Trump geht es nur um Trump. Das wird für die Ukraine, für die westlichen Demokratien und auch für die USA noch einschneidende Folgen haben.
Quellen
TRUMPS PLAN FÜR DIE UKRAINE:
Der Westen zerlegt sich, die Diktatoren triumphieren (FAZ)
Ohne Paywall hier.
PUTIN-TELEFONAT: Trump, der geniale Dealmaker (WELT)
Anmerkung:
Gefährlich an der gegenwärtigen politischen Entwicklung ist unter anderem, dass der Möchtegern-Diktator Trump sich sehr gut versteht mit dem Diktator Putin und weiteren Autokraten. Er versteht sich viel besser mit der «Achse der Autokraten» als mit den Demokratien, die es noch gibt. Demokratien müssen aufwachen und sich nach innen und nach aussen stärken.
Siehe auch:
Demokratie darf uns nicht müde machen, sagt Herta Müller
Vortrag: Herta Müller über «Politische Dämonen»
Buchtipp: «Die Achse der Autokraten», von Anne Applebaum