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Kann ein Mensch «im falschen Körper geboren» werden?

12. November 2025

Transgender-Aktivisten reden gern und oft davon, dass bestimmte Menschen «im falschen Körper geboren» sind. Das ist eine fragwürdige, dualistische Vorstellung. Da gibt es also einen Körper, und dann gibt es etwas anderes, das nicht Körper ist, und dieses Etwas kann sich bei der Geburt in den falschen Körper verirren? Eine Gender-Seele, die im falschen Körper geboren wird?

Diese Fragen sind wichtig für den medizinischen und psychotherapeutischen Umgang mit Menschen, die sich nicht mit ihrem biologischen Geschlecht identifizieren und unter diesem Zustand leiden. Und diese Fragen sind auch von gesellschaftlicher Relevanz.

Hinter der Behauptung, dass ein Mensch im falschen Körper geboren werden kann, stehenden Theorien, die aus dem Kontext der Identitätspolitik stammen und das Potenzial haben, Demokratie und Wissenschaft zu unterminieren. Also ist es auch aus diesem Grund nötig, hier genauer hin zu schauen.

Die Philosophin und Transfrau Elizabeth Duval sagt in der «Sternstunde Philosophie» auf SRF:

«Hinter dem Ausdruck ‘im falschen Körper’ steckt eine Art Gender-Neuplatonismus. Demzufolge wäre der Körper das Gefängnis der Seele, und die Seele könnte von Natur aus etwas sein, das dem Körper nicht entspricht. Ich halte das für eine falsche Vorstellung. Ich glaube nicht an eine strikte Trennung von Körper und Seele.»

Mit diesem Thema befasst sich auch der Philosoph Christoph Türcke auf «Deutschlandfunk Kultur»:

Wenn wir von Menschen reden, die im falschen Körper geboren sind, dann sieht er in solchen Aussagen die Vorstellung eines Ich, „das in einem Körper nur Wohnung genommen hat: Das Ich hat dann gar keine körperliche, sensorische, motorische, hormonelle Dimension.“ Türcke erkennt darin einen alten Dualismus wieder, nämlich die Trennung von Körper und Geist – „und das Verrückte ist, dass die gerade dort auftaucht, wo das Programm ist: Wir müssen vom Binären weg“.

Gnostischer Dualismus

In seinem Buch «Natur und Gender» geht Christoph Türcke vertieft ein auf die Problematik der Vorstellung, im falschen Körper geboren zu sein:

«Die kleine Redewendung vom ‘falschen Körper’ schleppt….eine schwere altehrwürdige Hypothek….mit sich: den Glauben an die Körperunabhängigkeit der Seele. Die auf Wanderschaft befindlichen Seelen, die sich laut Buddhismus so lange in verschiedenen Lebewesen verkörpern müssen, bis sie ganz geläutert sind und ins Nirwana eingehen können; die platonischen Seelen, die die ewigen Ideen geschaut, sie bei der Einnistung in menschliche Körper aber vergessen haben und sich ihrer erst allmählich wieder erinnern; die gnostischen Seelen, die aus der Sphäre des reinen Licht in die finstere der materiellen Körper gerieten und sich zur Rückkehr zum Licht rüsten sollen; die cartesische res cogitans (denkende Substanz), die an die res extensa (ausgedehnte Substanz) menschlicher Körpergestalten lediglich andockt: Sie alle haben ihren kleinsten gemeinsamen Nenner in der Überzeugung, dass sich die Gefühl- und Gedankenbildung eines menschlichen Ich in einem Körper abspielen, aber nicht aus dessen Leiblichkeit hervorgeht.»

Die Rede vom Ich, das sich im falschen Körper befinde, teile diese Überzeugung, schreibt Türcke. Sie gebe keineswegs unmittelbar wieder, was die betreffende Person fühlt:

«Sie legt das Gefühlte vielmehr in weltanschaulich hochproblematischen Worten aus. Man darf zwar davon ausgehen, dass das Gefühlte eine schwer erträgliche Konfliktspannung ist. Aber die besteht nicht zwischen dem Ich und dem Körper, sondern durchzieht den ganzen Körper, in dem sie gefühlt wird. Wenn ein Mann sagt, ‘eigentlich’ fühle er sich als Frau, so ist es sein testosteronbasiertes Körpergefühl, das ihn zu einer Empfindung führt, die er mit Frau-Sein umschreibt. Nun mag es der Fall sein, dass Unregelmässigkeiten in der frühkindlichen Testosteronproduktion bei ihm ein Mangelgefühl hinterliessen…..

Dennoch bringt ihn dazu, sich als Frau zu fühlen, nicht einfach eine Hormonstörung, sondern erst eine Serie von Identifikations- und Selbstinterpretationsleistungen. Die allerdings können durch vieles ausgelöst werden, nicht bloss durch hormonelle Störungen.»

Jeder Fall habe seine eigene Entstehungsgeschichte, schreibt Christoph Türcke. Eine einheitliche Ursache für alle werde sich nicht finden lassen. Doch allen sei gemein, dass die leidende Person das Bild, das sie vom anderen Geschlecht gewonnen hat, für ihr eigentliches Sein hält.

«Ich bin ‘eigentlich’ eine Frau, sagt der Mann, der anatomisch weiblich zu werden wünscht. Ich bin ‘eigentlich’ ein Mann, sagt die Frau, die anatomisch ein Mann sein möchte. Das tiefsitzende Wunschbild vom anderen Geschlecht mit dem eigenen Ich zu verwechseln, es für das Wesen der eigenen Person zu halten: Das ist durchaus eine essentialistische Selbstdeutung. Mein Ich ist mein Ansich, und an sich bin ich weiblich, auch wenn mein Körper männliche Geschlechtsmerkmale aufweist (und umgekehrt). Diese Selbstdeutung reaktualisiert…….den antiken Glauben an die autarke Seele, die aus sich selbst fühlt und denkt.»  (Seiten 176/177/178)

Ob man diese Gedankengänge und Argumentationen in jedem Schritt mitgehen will, kann offenbleiben, ist aber bedenkenswert. Interessant ist in jedem Fall der Hinweis, dass die Vorstellung, im falschen Körper geboren zu sein, gnostische Züge zeigt.

Mit «Gnosis» werden religiöse Strömungen und Vorstellungen umschrieben, die im 2. Und 3. Jahrhundert n. Chr. wurzeln und sich im 2. Jahrhundert zum theologischen Hauptgegner der frühen Kirche entwickelten. In der Gnosis wird die Seele häufig als ein göttlicher Lichtfunke betrachtet, der in einem materiellen Körper gefangen ist. Der Körper gilt dabei also als Kerker der Seele und gehört zum Reich der Dunkelheit, während die Seele mit dem spirituellen Reich des Lichts verbunden ist. Diese Unterscheidung spiegelt die gnostische Vorstellung wider, dass die materielle, körperliche Welt unvollkommen oder sogar böse sein kann, während die spirituelle Welt als rein und erleuchtet gilt. Gnostische Lehren betonen häufig den Weg der Erkenntnis (Gnosis), um die Seele von der Dunkelheit des Körpers zu befreien und zur Rückkehr ins Licht zu führen. In diesem scharfen Licht-Dunkel-Kontrast spiegelt sich ein starker Dualismus.

Gnostiker glauben also, dass die materielle Welt und der Körper minderwertig sind und dass die wahre Identität des Menschen die spirituelle Essenz oder die Seele ist. Diese Sichtweise führt zu der Vorstellung, dass die Seele nach Wissen (Gnosis) strebt, um sich von der materiellen Welt zu befreien und zu ihrem ursprünglichen, göttlichen Zustand zurückzukehren und damit wahre spirituelle Erkenntnis zu erlangen.

Wenn davon gesprochen wird, dass ein Mensch im falschen Körper geboren ist, kommt der Begriff «Seele» kaum je vor. Aber was ist es denn, das offenbar unabhängig vom Körper und also unkörperlich, in diesen geboren wird, dabei aber offenbar weiss, was es ist, also seine Geschlechtsidentität schon ausgebildet hat, aber irgendwie falsch abbiegt und im falschen Körper landet, und dann diesen falschen Körper überwinden muss? – Diese Vorstellungen liegen sehr nahe bei gnostischen Bildern von Seele und Körper.

Im falschen Körper geboren – aber mit fertiger Geschlechtsidentität?

Die Vorstellung, dass Menschen im falschen Körper geboren werden können, geht oft davon aus, dass bei der Geburt die Geschlechtsidentität schon feststeht oder dass sie sich jedenfalls schon sehr früh zeigt. Im englischsprachigen Raum glauben laut Türcke auch Leitfiguren der Transgender-Medizin wie die prominente Gender-Ärztin Johanna Olson-Kennedy daran, dass Kinder schon ganz früh ihre «gender-epiphany» haben. Epiphanie ist ein religiöser Begriff und bedeutet: Erscheinung des Herrn. Entsprechend früh kann man die Kinder mit Hormonblockern behandeln.

Christoph Türcke schreibt:

«Dem körperunabhängigen Ich hat sich sein Geschlecht schon zweifelsfrei geoffenbart, während der ihm ‘zugewiesene’ Geschlechtskörper noch die Harn- und Stuhlregulierung lernt: diese kaum verbrämte gnostische Metaphysik wird nicht von einer abseitigen Sekte vertreten, sondern von der Leiterin einer der führenden Geschlechtsumwandlungskliniken in Los Angeles.»

Menschen kommen jedenfalls nicht mit einer fertig ausgebildeten Identität auf die Welt, auch nicht mit einer fertigen Geschlechtsidentität. Das, was da angeblich im falschen Körper geboren worden sein soll, existiert bei der Geburt noch gar nicht. Der Kinder- und Jugendpsychiater Alexander Korte weist in seinem Buch «Hinter dem Regenbogen» darauf hin, dass Geschlechtsidentität stets das Ergebnis einer individuellen Bindungs-, Beziehungs- und Körpergeschichte ist. Er schreibt weiter:

«Identitätskonstruktion ist also ein (lebenslang anhaltender) Prozess, das geschlechtsbezogene Identitätserleben ein…Teil der Persönlichkeit, und ‘Geschlechtsidentität’ muss – wie Identität überhaupt – erst mühselig entwickelt werden.» (Seite 212)

Christoph Türcke kritisiert darüber hinaus grundsätzlicher den radikalen Konstruktivismus, der auch einer Vorstellung, im falschen Körper geboren zu sein, zugrunde liegt:

«Wahnhaft ist es, wenn man sagt: Die Natur ist nur noch, was wir aus ihr machen. So etwas wie eine Geschlechtsnatur gibt es überhaupt gar nicht.» Am radikalen Konstruktivismus kritisiert er:

«Jeder Mensch erschafft sich – nicht nur in geschlechtlicher, sondern auch in sonstiger Hinsicht – so, wie er will; und ist damit so etwas wie sein eigener Gott.»

Wer oder was soll da falsch sein?

Unbestritten ist, dass es Menschen gibt, die sich in ihrem Geschlecht nicht wohl fühlen und darunter leiden. Dass sie therapeutische Unterstützung bekommen, falls sie das brauchen, sollte selbstverständlich sein. Auch kann die Vorstellung einer Person, im falschen Körper geboren zu sein, durchaus ernst genommen werden. Das bedeutet jedoch noch nicht, dass diese Vorstellung der Wirklichkeit entsprechen muss. Denn dafür gibt es keine Belege, sondern vielmehr solide Gegenargumente. Die Vorstellung, dass Menschen im falschen Körper geboren werden können, basiert nicht nur auf dualistischen, religionsähnlichen Konzepten, sondern auch auf ideologischen Theorien aus dem Kontext der Identitätspolitik.

Und wenn ein Mensch Körper und Nicht-Körper als nicht zusammenpassend empfindet: Wie kommt die Entscheidung zustande, welcher der beiden Bereich als falsch deklariert wird? Der Körper ist falsch, der Nicht-Körper («Gender-Seele») aber richtig? Zeigt sich in dieser eindeutigen, kaum hinterfragten Interpretation des Körpers als «falsch» nicht ein Zug von Körperfeindlichkeit? Würde es nicht darum gehen – wenn man Körper und Nicht-Körper schon dualistisch trennen will – diese beiden Bereiche zusammenzuführen?

Befremdlich ist zudem, dass aus den gleichen transaktivistischen Kreisen, die davon reden, dass ein Mensch im falschen Körper geboren werden kann, auch gleichzeitig behauptet wird, dass das Geschlecht bei der Geburt «zugewiesen» wird – von der Hebamme, wenn sie ausruft: «Es ist ein Mädchen!». Was denn nun? Diese beiden Beschreibungen  widersprechen sich doch.

Sehr problematisch ist zudem, wie unkritisch viele Medien die hoch fragwürdige Vorstellung verbreiten, dass Menschen im falschen Körper geboren werden können. Ideologie verdrängt hier offenbar das Nachdenken. Dahinter steckt wohl, dass viele Medienleute selbst stark identitätspolitisch imprägniert sind.

Quellen:

► Elisabeth Duval- «Man wird nicht als trans geboren» (SRF)

► Kritik am Konstruktivismus: Wie viel Natur steckt im Geschlecht? (Deutschlandfunk Kultur)

► «Hinter dem Regenbogen – Entwicklungspsychiatrische, sexual- und kulturwissenschaftliche Überlegungen zur Genderdebatte und zum Phänomen der Geschlechtsdysphorie bei Minderjährigen», von Alexander Korte, Kohlhammer Sachbuch 2024. Buchbesprechung und Zitate.

► «Natur und Gender – Kritik eines Machbarkeitswahns», von Christoph Türcke, C. H. Beck Verlag 2021.

 Siehe auch:

► Was ist Identitätspolitik?

► Identitätspolitik liegt falsch: Die Biologie kennt zwei Geschlechter, nicht mehr

► Was Identitätspolitik mit Religion verbindet

► Buchtipp: «Die Sakralisierung der Identität – eine Soziologie der Identitätspolitik», von Marlene Müller-Brandeck, Campus Verlag 2025. Buchbesprechung und Zitate.

► Medizinskandal Transgender-Medizin

► Jugendpsychiater kritisieren Behandlungsleitlinie für «Trans-Kinder»

► Transgender-Diagnosen innert zehn Jahren verachtfacht

► Medizin auf Abwegen: Geschlechtsanpassung bei Minderjährigen

► Buchtipp: „Irrwege – Analysen aktueller queerer Politik“, von Till Randolf Amelung (Hg.), Querverlag GmbH 2020. Siehe dazu auch: Buchbesprechung und Zitate.

Kategorie: Identitätspolitik Stichworte: Alexander Korte, Biologie, Christoph Türcke, Demokratie, Dualismus, Gender, Geschlechtsidentität, Gnosis, Identität, Identitätspolitik, Konstruktivismus, Marlene Müller-Brandeck, Religion, Transgender, Transgender-Medizin, Wissenschaft

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