Alice Schwarzer hat sich als Feministin schon für Frauenrechte eingesetzt, als das noch Mut brauchte. Man muss nicht mit allen ihren Positionen einverstanden sein – mit ihren Aussagen gegen die Unterstützung der Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen den russischen Angriff beispielsweise hat sie sich komplett verrannt. Mit ihrer Skepsis gegenüber dem Transaktivismus spricht Alice Schwarzer aber wichtige Punkte an. Damit zieht sie sich den Hass einer Bewegung zu, die für sich immer lauthals Toleranz fordert, aber jeden niederschreit, der andere Meinungen vertritt.
Niederträchtige Proteste gegen Alice Schwarzer am Schauspielhaus in Hamburg
Alice Schwarzer sollte am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg ihr Buch „Feminismus pur. 99 Worte“ vorstellen. Am Vorfeld hatten 340 Theatermacherinnen und Theatermacher die Leitung des Schauspielhauses in einem offenen Brief aufgefordert, die Lesung abzusagen. Begründet wurde dies hauptsächlich mit angeblich transfeindlichen Aussagen der Autorin.
Das Hamburger Theater hielt aber dem Druck stand und erklärte: «Seit 50 Jahren äußert sich Alice Schwarzer zu sehr vielen Themen – zu so vielen, dass wir es problematisch finden, sie auf eine ihrer Positionen zu reduzieren, so diskussionswürdig einige von ihnen sind.»
Alice Schwarzer sei eine streitbare und streitfreudige Person und vor allem eine, „die nicht nur die Debatte sucht, sondern sich Diskussionen auch stellt“.
Vor Beginn der Lesung protestierten mehr als 100 Personen lautstark gegen die Veranstaltung und hielten Banner in die Höhe. Während der Lesung versuchten Protestierer die Lesung durch Lärm zu unterbinden. Eine Reihe von Personen stürmte die Bühne und versuchte, Alice Schwarzer von dort zu vertreiben.
So gehen Leute vor, die keinerlei Interesse an demokratischem Diskurs haben und nur mit undemokratischen Methoden ihre Ideologie durchsetzen wollen. Vom Publikum wurden die Aktivisten allerdings ausgebuht. Die schweigende Mehrheit sollte sich bei solchen Gelegenheiten konsequent für die Diskursfreiheit einsetzen.
Alice Schwarzer zu den Redeverboten der Woke-Bewegung
In einem Gespräch mit der «Zeit» sagt Alice Schwarzer:
«Die Woke-Bewegung erteilt ja schon lange Redeverbote. Und sie hat eine bestimmte Ideologie, die muss man zu 100 Prozent vertreten, sonst darf man weder reden noch veröffentlichen. Ich habe im Theater mehrfach versucht zu beruhigen und gesagt, dass es nach der Lesung ein Gespräch mit dem Publikum geben wird. Ich habe auch gesagt: Ihr dürft auch etwas anderes denken als ich. Natürlich! Aber ich darf bitte auch etwas anderes denken als ihr! Und diese trans Ideologie ist ja der Gipfel des Absurden, weil sie Ideologie über Realität stellt. Sie behauptet unter anderem, es gäbe mehr als zwei biologische Geschlechter. Bei dieser Debatte werden das biologische Geschlecht und das kulturelle Geschlecht durcheinandergebracht. Es gibt eben nur zwei biologische Geschlechter, daran ist nicht zu rütteln, aber sehr viele Geschlechterrollen.»
Quellen:
Proteste gegen Alice Schwarzer: „Dass man mich wirklich zum Schweigen bringen will, das ist neu“ (Zeit) Ohne Paywall hier.
Laute Proteste bei Lesung von Alice Schwarzer in Hamburg (Salzburger Nachrichten)
„Schwadroniert in AfD-Manier“ – Theater-Beschäftigte fordern Absage von Schwarzer-Lesung (WELT)
Ergänzend:
► Alice Schwarzer gibt die biologischen Fakten korrekt wieder. Belege dazu:
Identitätspolitik liegt falsch: Die Biologie kennt zwei Geschlechter, nicht mehr
Dass Theaterleute sich anmassen, über die Biologie der Geschlechter besser Bescheid zu wissen als die Biologie, ist eine Folge identitätspolitischer Ideologisierung.
► Der Vorwurf der Transfeindlichkeit oder Transphobie dient als «Hegemonial-Konzept» zur Sicherung der Diskurshoheit und zur Abwehr von Kritik an den Überzeugungen der Transideologie. Siehe dazu:
Identitätspolitik: «Transphobie» als billige Diffamierungsstrategie
►Zur Debattenkultur:
Debattenkultur in der Demokratie
► Zu den Licht- und Schattenseiten des Aktivismus:
Aktivismus – positive und negative Einflüsse auf die Demokratie
► Identitätspolitischer Aktivismus ist stark geprägt von politischem Moralismus:
► Wenn Diffamierung Argumente ersetzt: