Man solle die Ukraine nicht mehr mit Waffen unterstützen, dann gebe es Frieden, sagen Leute wie Sahra Wagenknecht, Alice Weidel oder Roger Köppel. Worüber sie gar nicht gerne reden sind die Folgen, die eine Niederlage der Ukraine hätte – für das Land selbst, aber auch für Europa und die Welt.
Folgen für die Ukraine
Ein Ende oder drastischer Rückgang der Waffenhilfe würde die militärische Lage zugunsten Russlands verschieben. Ein Durchbruch bis zum Dnjepr oder ein Zusammenbruch einzelner Frontabschnitte gilt als realistisches Risiko bei anhaltendem Munitions- und Ersatzteilmangel. Steigende Verlust an Zivilisten und Soldaten wären die unmittelbaren Folgen.
Eine vollständige Einstellung westlicher Waffenhilfe hätte jedoch zur Folge, dass die Ukraine ihren Abwehrkampf einstellen müsste.
Politisch würde das auf einen Diktatfrieden hinauslaufen: Neutralität, Verzicht auf NATO und möglicherweise EU-Perspektive, Anerkennung russischer Gebietsgewinne, weitgehende Demilitarisierung und Einflussnahme auf die ukrainische Innenpolitik. In den nicht direkt von Russland annektierten Gebieten würde ein kremlhöriges Regime installiert.
Ein möglicherweise überlebender Reststaat im Westen des Landes wäre wirtschaftlich und sicherheitspolitisch höchst verwundbar. Besetzte Gebiete würden weiter russifiziert, mit den bekannten Mustern von Filtration, Umsiedlung, Unterdrückung ukrainischer Sprache und Identität sowie Zwangsrekrutierung. Ukrainische Männer in besetzten Gebieten wären wohl nicht einfach frei, sondern würden in die russische Armee eingezogen.
Humanitär und demografisch wären die Folgen und der Schaden enorm. Die Bevölkerung in von Kiew kontrollierten Gebieten liegt bereits bei rund 31 Millionen (vor dem Krieg über 41 Millionen). Weitere Fluchtwellen, sehr niedrige Geburtenraten und hohe Sterblichkeit würden das noch verschärfen. Vor allem die mobilen Teile der ukrainischen Bevölkerung würden das Land in grosser Zahl verlassen. Ukrainerinnen und Ukrainer wollen zum allergrössten Teil nicht unter russischer Besatzung leben. Flüchtlinge würden unter diesen Umständen kaum zurückkehren. Bevölkerungsprognosen rechnen mit einem dramatischen Einbruch der Bevölkerungszahl.
Wiederaufbau und Verteidigungsfähigkeit wären ohne ausreichende Bevölkerung und Sicherheit kaum möglich. Wirtschaftlich wäre das Land auf Dauer von Hilfen abhängig oder würde in Teilen zu einem Failed State. Widerstand (Partisanen) wäre wahrscheinlich, würde aber weitere Zerstörung und Opfer als Folgen bedeuten.
Folgen für Europa
Europa würde die unmittelbaren Lasten einer Niederlage der Ukraine tragen. Studien (u. a. Corisk/NUPI 2025) rechnen bei einem russischen Teilsieg mit 6–11 Millionen zusätzlichen Flüchtlingen und Kosten von Hunderten Milliarden Euro allein dafür, plus massiv steigende Verteidigungsausgaben zur Absicherung der Ostflanke (Baltikum, Polen, Finnland, Moldau). Die Gesamtkosten eines solchen Szenarios über vier Jahre werden auf 1,2–1,6 Billionen Euro geschätzt – deutlich höher als die Kosten fortgesetzter Unterstützung der Ukraine.
Sicherheitspolitisch würde Russland näher an NATO-Grenzen stehen und könnte Ressourcen für weiteren und verstärkten Druck auf Staaten wie Moldau oder auf das Baltikum freisetzen. Drohungen und Cyberattacken aus dem Kreml gegen diese Länder – aber beispielsweise auch gegen Finnland und Kasachstan – finden schon heute kontinuierlich statt.
Die Glaubwürdigkeit westlicher Sicherheitsgarantien und der Abschreckung würde leiden. Politisch könnte das Polarisierung, populistische Strömungen und Streit über Lastenverteilung verstärken. Energie- und Getreidemärkte blieben volatil. Viele europäische Stimmen sehen die Ukraine daher als „Vorne-Verteidigung“ Europas: Ein Zusammenbruch dort würde die eigenen Aufrüstungskosten und Risiken erhöhen, nicht reduzieren. Die Folgen einer Niederlage der Ukraine für Europa wären also enorm. Warum erwähnen wohl Putin-Influencer wie Sahra Wagenknecht, Alice Weidel oder Roger Köppel solche Folgen nicht?
Folgen für die Welt
Ein sichtbarer Erfolg russischer Aggression gegen die Ukraine als souveränes Land würde das Prinzip der territorialen Integrität schwächen. Das hätte Signalwirkung und Folgen über Europa hinaus. Unter den Folgen besonders häufig genannt wird Taiwan: Viele Analysen (Atlantic Council, CEPA, taiwanesische Stimmen) argumentieren, dass ein Scheitern westlicher Unterstützung Peking ermutigen oder zumindest die Einschätzung der US-/westlichen Entschlossenheit verändern könnte. China beobachtet sehr genau die westliche Durchhaltefähigkeit, die Wirksamkeit von Sanktionen und die Fähigkeit, einen Atommacht-Angreifer zu stoppen. Umgekehrt würde ein ukrainisches Durchhalten oder ein für Russland kostspieliger Ausgang China eher von einem Angriff auf Taiwan abhalten.
Weitere Folgen: Durch eine Niederlage der Ukraine würde die Achse Russland–China–Iran–Nordkorea gestärkt (Anne Applebaums «Achse der Autokraten») und die Weiterverbreitung von Atomwaffen gefördert.
Weiterverbreitung von Atomwaffen
Aus einer Niederlage der Ukraine könnten viele Staaten eine für sie bedeutende strategische Lektion lernen:
Wer Atomwaffen freiwillig aufgibt oder nie besitzt, bleibt gegenüber einer Atommacht verwundbar – selbst wenn er Sicherheitszusagen und konventionelle Hilfe von außen erhält. Das Budapest-Memorandum ist dafür ein zentrales Beispiel: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1994 gab die Ukraine das drittgrößte Atomwaffenarsenal der Welt ab und trat dem Atomwaffensperrvertrag (NPT) als nichtnuklearer Staat bei. Im Gegenzug unterzeichneten Russland, die USA und Großbritannien das Budapest-Memorandum: Sie sagten zu, die Unabhängigkeit, Souveränität und bestehenden Grenzen der Ukraine zu respektieren und keine Gewalt oder Gewaltandrohung dagegen einzusetzen.
Russland hat diese Zusagen 2014 (Krim, Donbass) und 2022 (Vollinvasion) gebrochen. Die westlichen Unterzeichner haben die Ukraine zwar massiv konventionell unterstützt, aber nicht militärisch direkt eingegriffen – unter anderem weil Russland wiederholt mit Eskalation bis hin zu Atomwaffen gedroht hat. Genau das ist der Kern der Befürchtung: Atomwaffen einer Großmacht können Dritte davon abhalten, einem angegriffenen Land wirksam zu helfen.
Folgen für den Atomwaffensperrvertrag
Die Schlussfolgerung, die andere Staaten aus einer Niederlage der Ukraine ziehen könnten, lautet grob: Sicherheitsgarantien auf Papier und konventionelle Waffenhilfe ersetzen keine eigene nukleare Abschreckung, wenn der Gegner selbst Atomwaffen hat und bereit ist, sie als Schutzschild für einen Angriffskrieg zu nutzen.
Staaten in unsicherer Lage würden nach einer Niederlage der Ukraine eher zu folgenden Schlüssen kommen:
- Wer Atomwaffen hat, wird seltener konventionell angegriffen, weil der Preis für den Angreifer unkalkulierbar hoch wird.
- Wer sie nicht hat, riskiert, dass Verbündete aus Angst vor nuklearer Eskalation nur begrenzt helfen.
- Wer sie einmal abgegeben hat (wie die Ukraine), kann sich später nicht mehr darauf verlassen, dass die damaligen Zusagen halten.
Die Folgen solcher Überlegungen sind gravierend. Die Glaubwürdigkeit des gesamten Nichtverbreitungsregimes wird dadurch erheblich geschwächt. Der Atomwaffensperrvertrag beruht auf dem Tausch: Nichtnukleare Staaten verzichten auf Atomwaffen, Nuklearmächte üben Zurückhaltung und bieten Sicherheit. Wenn dieser Tausch in einem spektakulären Fall wie dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine scheitert, steigt der Anreiz, selbst nuklear zu werden.
Das sind die wichtigsten Folgen, über die Putin-Influencer wie Sahra Wagenknecht, Alice Weidel, Roger Köppel und andere lieber nicht reden, wenn sie verlangen, die Ukraine im Stich zu lassen. Sie dürfen damit nicht durchkommen.
Quellen:
Can Ukraine Fight Without U.S. Aid? Seven Questions to Ask (CSIS)
Russian Offensive Campaign Assessment, June 29, 2026 (ISW)
The day after: Six post-war challenges for Ukraine (Epik)
Europe’s choice Military and economic scenarios for the War in Ukraine Corisk Report Series No 12, 2025(ResearchGate)
Taiwan and Ukraine: Joined at the Hip (CEPA)
Recherche unterstützt von GROK AI – aber von einem menschlichen Gehirn kontrolliert, ergänzt und in die Endfassung gebracht.
Siehe auch:
Buchtipp: «Die Achse der Autokraten», von Anne Applebaum
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