Die NZZ hat ein lesenswertes Interview veröffentlicht mit dem Politologen Francis Fukuyama zur politischen Situation in den USA unter Trump. Dabei kommt auch zur Sprache, woher der Backlash für die Demokratie in den USA kommt. Francis Fukuyama. macht dafür unter anderem einige Fehlinterpretationen des Liberalismus verantwortlich, «die einen Backlash hervorgerufen haben». Nach Beispielen gefragt, führt der Politologe aus:
«Auf der rechten Seite der sogenannte Neoliberalismus, eine Art extreme Anwendung der Marktwirtschaft, die die Ungleichheit in den Ländern vergrösserte. Auf der anderen Seite ist es die Identitätspolitik, bei der das liberale Prinzip der gleichen Würde für alle aufgegeben wird, stattdessen teilt man die Menschen nach Ethnie oder Geschlecht in Gruppen auf. Diese antiliberale Idee hat beispielsweise eine Gegenreaktion von weissen Menschen in den Vereinigten Staaten hervorgerufen.»
Quelle:
Interview:
Ohne Einschränkung hier.
Backlash durch Neoliberalismus und Identitätspolitik?
Es ist bemerkenswert, dass Francis Fukuyama unter anderem den Neoliberalismus und die Identitätspolitik für den Backlash verantwortlich macht. Identitätspolitik vertieft gesellschaftliche Spaltungen in westlichen Demokratien. Fukuyama hat allerdings schon im Jahr 2018 auf ihre negativen Einflüsse aufmerksam gemacht:
Die linke Identitätspolitik zieht eine politische Korrektheit nach sich, deren Ablehnung zu einer wichtigen Mobilisierungsquelle für die Rechte geworden ist.» (Seite 144)
«Die Zunahme der Identitätspolitik in modernen liberalen Demokratien ist eine ihrer Hauptbedrohungen. Wenn es uns nicht gelingt, zu einem universalen Verständnis der menschlichen Würde zurückzukehren, werden wir zu ständigen Konflikten verurteilt sein.» (Seite 17)
Quelle:
«Identität: Wie der Verlust der Würde unsere Demokratie gefährdet», von Francis Fukuyama, Hoffmann und Campe Verlag Hamburg 2019. Buchbesprechung und Zitate.
Zum Einfluss der Identitätspolitik auf den Backlash für die Demokratie in den USA (und anderso) siehe auch:
Fragmentierung durch Identitätspolitik schwächt Demokratien
Identitätspolitik unterminiert Meinungsfreiheit und Wissenschaftsfreiheit
Identitätspolitik fördert Polarisierung und nutzt Rechtsextremen