Die Slawistik-Professorin Sylvia Sasse sagt im Interview auf SRF, dass wir es gerade mit einer autokratischen Wende zu tun haben. Und sie weist auf die Parallelen in der Rhetorik zwischen Trump und Putin hin, die beide die gleiche Desinformationsstrategie verwenden:
«Ich bezeichne diese Strategie als Verkehrung ins Gegenteil. Das geht so: Ich behaupte immer genau das Gegenteil von dem, was ich mache. Oder noch präziser gesagt: Das, was ich tue, das unterstelle ich meinen Gegnern, während ich mir ihre positiven Argumente oder ihre Begriffe aneigne und für mich selbst verwende……
Putin hat den Angriffskrieg, der inzwischen drei Jahre dauert, von vornherein immer als Verteidigungskrieg bezeichnet. Zunächst nannte er die Aktion nicht Krieg, sondern eine Spezialoperation, mit der er sich verteidigt. Er hat immer behauptet, die Ukraine greife an, die Ukraine müsse entnazifiziert werden. Inzwischen wird auch behauptet, dass es sich um einen Verteidigungskrieg, um einen Widerstandskrieg gegen die westlichen Demokratien handelt. Trump übernimmt das und hat wahrscheinlich seine eigenen Interessen.»
Der russische Präsident Wladimir Putin behauptet schon länger faktenwidrig, die Ukraine habe den Krieg begonnen. Nun bedient sich auch US-Präsident Donald Trump dieser Lügen-Rhetorik. Das ist ein glasklares Beispiel für die Desinformationsstrategie der Verkehrung ins Gegenteil.
Trump und Putin benutzen beide diese Desinformationsstrategie permanent, sagt Sylvia Sasse. Auch wenn diese Verkehrungen ins Gegenteil eine Fiktion seien, hätten sie doch reale Auswirkungen, zum Bespiel dann, wenn die Ukraine nicht mehr unterstützt wird.
Die autokratische Desinformationsstrategie konsequent benennen
Sylvia Sasse unterstreicht, wie wichtig es ist, diese Verkehrungen ins Gegenteil, diese autokratische Desinformationsstrategie, in der Politik und in den Medien täglich zu markieren damit verständlich wird, was da rhetorisch abgeht. Es gehe auch darum, sich diese Erzählungen nicht anzueignen und ihnen nicht auf den Leim zu gehen. Da gehe es um demokratischen Zusammenhalt.
Was wir in der Realität gerade sehen, habe mit einer autokratischen Wende zu tun:
«Wir müssen uns fragen, wie wir dieser als demokratische Länder begegnen, und auch den neuen imperialen Ansprüchen der USA. Ich meine diese absurden Nachrichten, Länder kaufen zu wollen.»
Quelle;
Trump und die Ukraine – «Was wir gerade sehen, hat mit einer autokratischen Wende zu tun» (SRF)
Anmerkung:
Die autokratische Desinformationsstrategie von Trump und Putin ist auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz erschreckend weit vorgerückt. Demokratinnen und Demokraten sollten ernsthaft darüber nachdenken, wie sie dieser Parallelwelt Grenzen setzen können. Und sie sollten nicht nur darüber nachdenken, sondern auch ins Handeln kommen – sich beispielsweise besser vernetzen und Organisationen aufbauen und stärken, die sich für Demokratie und Rechtsstaat einsetzen.
Siehe auch:
Agitator, der – als Feind der Demokratie
Bullshit unterminiert die Demokratie
Demagogie als Gefahr für die Demokratie
Desinformation als Gefahr für die Demokratie